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HISTORIA APOLLONII REGIS TYRI

Cap.1-51

 
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HISTORIA APOLLONII REGIS TYRI
32
DIE GESCHICHTE DES KÖNIGS APOLLONIUS VON TYRUS
32

Rettung Tarsias durch Seeräuber. Scheinbegräbnis in Tarsus

(32) Itaque puella cum dominum deprecatur, subito advenerunt piratae et videntes hominem armata manu velle eam percutere, exclamaverunt dicentes: "Parce, barbare, parce et noli occidere! Haec enim nostra praeda est et non tua victima!" 32. Als nun das Mädchen so zu Gott flehte, kamen plötzlich Seeräuber angefahren, und riefen laut, als sie sahen, dass ein Mann mit bewaffneter Hand sie töten wollte, und sagten: "Halt ein, du Barbar, halt und morde sie nicht! Sie ist unsere Beute, nicht dein Opfer!"
Sed ut audivit vilicus vocem, eam dimittit et fugit et coepit latere post monumentum. Piratae applicantes ad litus tulerunt virginem et collocantes <in nave> altum petierunt pelagus. Sobald aber der Knecht die Stimmen hört, lässt er sie los, ergreift die Flucht und sucht sich hinter den Grabmal zu verstecken. Die Seeräuber aber legten an, schleppten die junge Frau zur Küste, luden sie auf ihr Schiff und fuhren wieder auf hohe See.
vilicus post moram rediit, et ut vidit puellam raptam a morte, deo gratias egit, quod non fecit scelus. Et reversus ad dominam suam ait: "Quod praecepisti, factum est; comple, quod mihi promiseras." Der Knecht kehrte nach einer Weile zurück und dankte, als er das Mädchen dem Tod entrissen sah, Gott, dass er das Verbrechen nicht verübt hatte. Dann kehrte er zu seiner Herrin zurück und sagte: "Was du befohlen hast, ist vollbracht; erfülle mir also, was du versprochen hast!"
Scelesta mulier ait: "Homicidium fecisti; insuper et libertatem petis? Revertere ad villam et opus tuum facito, ne iratos dominum et dominam sentias!" vilicus itaque, ut audivit, elevans ad caelum oculos dixit: "Tu scis, deus, quod non feci scelus. Esto iudex inter nos!" Et ad villam suam abiit. Das verbrecherische Weib aber versetzte: "Du hast einen Mord begangen und verlangst auch noch die Freiheit? Fort auf den Hof, und gehe an deine Arbeit, wenn du nicht meinen Zorn und den meines Mannes spüren willst." Sobald es der Knecht gehört hatte, hob er die Augen zum Himmel und sprach: "Gott, du weißt, dass ich kein Verbrechen verübt habe. Sei du Richter zwischen uns!" Dann ging er weg auf seinen Hof.
Tunc Dionysias apud semet ipsam consiliata pro scelere, quod excogitaverat, quomodo possit facinus illud celare, ingressa ad maritum suum Stranguillionem sic ait: "Care coniunx, salva coniugem, salva filiam nostram. Vituperia in grandem me furiam concitaverunt et insaniam, subitoque apud me excogitavi dicens: 'Ecce iam sunt anni plus quattuordecim, ex quo nobis suus pater commendavit Tarsiam, et numquam salutarias nobis misit litteras: forsitan aut afflictione luctus est mortuus aut certe inter fluctus maris et procellas periit. Nutrix vero eius defuncta est. Nullum habeo aemulum. Tollam Tarsiam de medio et eius ornamentis nostram ornabo filiam.' Nun dachte Dionysias wegen des Verbrechens, das sie ausgeheckt hatte, bei sich nach, wie sie jene Bluttat geheimhalten könne, ging zu ihrem ihrem Mann Stranguillio und sprach: "Lieber Mann, rettete deine Gattin, rette unsere Tochter! Die beschimpfenden Äußerungen brachten mich in große Wut und Raserei, und so dachte ich mir auf der Stelle aus und sprach bei mir: ' Sieh doch, das sind schon mehr als vierzehn Jahre, seit uns ihr Vater Tarsia übergeben hat, und niemals hat er uns einen ersprießlichen Brief geschrieben: Vielleicht ist er aus Herzenskummer gestorben, oder er ist wohl in den Meereswellen und Stürmen umgekommen. Schließlich ist auch ihre Amme tot. So steht mir niemand im Weg. Ich will Tarsia beiseiteschaffen und mit ihren Kleidern unsere Tochter herausputzen.'
Quod et factum esse scias. Nunc vero propter civium curiositatem ad praesens indue vestes lugubres, sicut ego facio, et falsis lacrimis dicamus eam subito dolore stomachi fuisse defunctam! Hic prope in suburbio faciamus rogum maximum, ubi dicamus eam esse positam." Lass dir sagen: der Plan ist zur Tat geworden. Nun aber - du weißt ja, wie das Volk sich um alles kümmert - lege für den Augenblick ein Trauergewand an, wie auch ich es tue; dann wollen wir mit erzwungenen Tränen sagen, sie sei ganz plötzlich an Magenschmerzen gestorben! Nicht weit von hier, in der Vorstadt, wollen wir ein großes Grab herrichten und sagen, dort sei sie beigesetzt."
Stranguillio ut audivit, tremor et stupor in eum irruit, et ita respondit: "Equidem da mihi vestes lugubres, ut lugeam me, qui talem sum sortitus sceleratam coniugem. Als Stranguillio dies hörte, ergriff ihn Furcht und Schrecken, und er entgegnete: "Ja, gibt mir Trauerkleider: damit ich über mich trauere, dem das Schicksal ein so verbrecherisches Weib zu eigen gab.
Heu mihi! Pro dolor!" inquit, "Quid faciam, quid agam de patre eius, qui, cum primo eum suscepissem, civitatem istam a morte et periculo famis liberavit, meo suasu egressus est civitatem; propter hanc civitatem naufragium incidit, mortem vidit, sua perdidit, exitium penuriae perpessus est. Wehe mir", sprach er, "wie schmerzlich! Was soll ich tun, was mit ihrem Vater machen, der, als ich ihn zuerst aufgenommen hatte, die Bürgerschaft hier von Tod und Hungersnot befreit, auf meinen Rat hin die Stadt wieder verlassen hat, wegen dieser Stadt dann in Schiffbruch geraten ist, den Tod geschaut ha , Hab und Gut verloren und die drückendste Not erfahren hat?
A deo vero in melius restitutus malum pro bono quasi pius non excogitavit neque ante oculos illud habuit, sed omnia oblivioni ducens, insuper adhuc memor nostri in bono, fidem eligens, remunerans nos et pios aestimans, filiam suam nutriendam tradidit, tantam simplicitatem et amorem circa nos gerens, ut civitatis nostrae filiae suae nomen imponeret. Als ein Gott aber seine Lage wieder verbessert hatte, hegte er als frommer Mann nur gute, keine böse Gedanken, dachte nicht an jene Not, sondern ließ alles vergessen sein; darüber hinaus dachte er in seinem Glück immer an uns, bewährte Verlässlichkeit und gab uns zum Lohn, weil er uns für rechtschaffen hielt, seine Tochter zur Erziehung; dabei zeigte er uns gegenüber so redlichenen Sinn, so wahre Anhänglichkeit, dass er seiner Tochter nach unserer Stadt den Namen gab.
Heu mihi, caecatus sum! Lugeam me et innocentem virginem, qui iunctus sum ad pessimam venenosamque serpentem et iniquam coniugem." Weh mir! So blind war ich! Betrauern will ich mich und das schuldlose Mädchen, der ich einer bösartigen, giftigen Schlange und einem Schandweib zugesellt bin."
Et in caelum levans oculos ait: "Deus, tu scis, quia purus sum a sanguine Tarsiae, et requiras et vindices illam in Dionysiade!" Et intuens uxorem suam ait: "Quomodo, inimica dei, celare poteris hoc nefandum facinus?" Er erhob seine Augen zum Himmel und sprach: "Gott, du weißt, dass meine Hände rein sind von Tarsias Blut; wende dich nur an Dionysias und ziehe sie dafür zur Rechenschaft." Er blickte auf sein Weib hin und sagte: "Du Feindin Gottes, wie wirst du diese verruchte Tag verbergen können?"
Dionysias vero induit se et filiam suam vestes lugubres, falsasque fundit lacrimas et cives ad se convocans [quibus] ait: "Carissimi cives, ideo vos clamavimus, quia spem luminum et labores et exitus annorum nostrorum perdidimus: id est, Tarsia, quam bene nostis, nobis cruciatus et fletus reliquit amarissimos; quam digne sepelire fecimus." Dionysias aber legt sich und ihrer Tochter Trauerkleider an und vergießt falsche Tränen. Sie ruft die Leute um sich zusammen und sagt: "Ihr lieben Bürger, wir haben euch gerufen, weil wir den hoffnungsvollen Stolz unserer Augen, all die aufgewandte Fürsorge und die Freude unserer vorgerückten Jahre verloren haben: Tarsia die ihr ja recht wohl kennt, hat uns qualvolles Leid und bitterste Tränen zurückgelassen. Würdig ließen wir sie bestatten."

Tunc pergunt cives, ubi figuratum fuerat sepulcrum a Dionysiade, et pro meritis ac beneficiis Apollonii, patris Tarsiae, fabricantes rogum ex aere conlato inscripserunt taliter:

DII MANES
CIVES TARSI
TARSIAE VIRGINI
BENEFICIIS TYRII APOLLONII
EX AERE COLLATO REFECERUNT.

Da gehen die Bürger hin, wo Dionysias das Grab hergerichtet hatte, und ließen wegen der Verdienste und Wohltaten ihres Vaters Apollonius für Tarsia ein Grabmal aus Spendenbeiträgen fertigen und setzten darauf folgende Inschrift:

DIE TOTENGÖTTER
DIE BÜRGER VON TARSUS
DER JUNGEN TARSIA
FÜR DIE VERDIENSTE DES TYRERS APOLLONIUS
AUS SPENDENBEITRÄGEN
Text nach der Ausgabe von Gareth Schmeling, Übersetzung nach R.Peters. Bearbeitet v. E.Gottwein
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Aufgabenvorschläge:
 
Sententiae excerptae:
w35
Literatur:

4 Funde
3561  Bömer, F.
Tityrus und sein Gott
in: WJb N.F.4,1949/50, 61-70
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4108  Peters, Richard
Die Geschichte des Königs Apollonius von Tyrus, der Lieblingsroman des Mittelalters. Eingeleitet und nach der ältesten lateinischen Textform zum erstenmal übersetzt von Richard Peters
Berlin, Leipzig (J.Hegner) o.J. (ca. 1904)
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4109  Schmeling, Gareth
Historia Apollonii regis Tyri, edidit G.Schmeling
Leipzig (Teubner) 1988
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4110  Weymann, G.
Nodus Virginitatis
in: Rh.Mus.64,1909, S. 156-157
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