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Cicero: De finibus bonorum et malorum

Cicero: Vom höchsten Gut und größten Übel

Cic.fin.1,47-49

Mäßigung und Tapferkeit in ihrem Verhältnis zur Lust

 
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Exemplarischer Durchgang durch Ciceros Philosophischen Schriften (inspiriert von der Ausgabe von Oskar Weissenfels)
Cic.Fin.1,1-12 | | Cic.div.2,1-7 | Cic.off.2,1-8 | Cic.off.3,1-4 | Cic.Tusc.1,1-8 | Cic.nat.1,6-12 | Cic.Tusc.5,1-11 | Cic.Tusc.2,11-12 | Cic.Tusc.3,1-6 | Cic.off.1,11-14 | Cic.Tusc.1,57-65 | Cic.rep.1,1-12 | Cic.off.1,69,2-73 | Cic.off.1,74-78 | Cic.off.1,15-17 | Cic.off.1,18-19 | Cic.off.1,20-41 | Cic.off.1,62-69,1 | Cic.off.1,84,3-92 | Cic.off.1,93-96 | Cic.off.3,19-32 | Cic.off.3,11-19 | Cic.off.3,35-39 | Cic.Tusc.3,22-25 | Cic.Tusc.4,38-46 | Cic.Tusc.2,42-49 | Cic.Tusc.2,51-67 | Cic.Tusc.5,73-79 | Cic.Tusc.5,15-17 | Cic.Tusc.5,68-72 | Cic.Tusc.3,32-38 | Cic.Tusc.3,52-60 | Cic.Tusc.5,37-48 | Cic.Tusc.5,80-82 | Cic.Tusc.5,54-67 | Cic.Tusc.5,97-118 | Cic.fin.1,29-36 | Cic.fin.1,37-42 | Cic.fin.1,42-46 | Cic.fin.1,47-49 | Cic.fin.1,50-54 | Cic.fin.1,55-64 | Cic.fin.1,65-72 | Cic.Tusc.5,26-28 |
Einzelstücke: Cic.Tusc.1,9-25 | Cic.fin.1,29-33 | Cic.Fin.5,9-11 |
 
Torquatus setzt seinen Vortrag über die Lehre Epikurs fort und zeigt, dass die Tugenden der Mäßigung (temperantia) und Tapferkeit (fortitudo) nicht um ihrer selbst willen erstrebt werden, sondern im Dienst der Lust (voluptas) stehen.

Cicero: De finibus bonorum et malorum

Cic.fin.1,47-49

Mäßigung und Tapferkeit in ihrem Verhältnis zur Lust

 

Cicero: Vom höchsten Gut und größten Übel

Cic.fin.1,47-49

Mäßigung und Tapferkeit in ihrem Verhältnis zur Lust

47,1
Eademque ratione ne temperantiam quidem propter se expetendam esse dicemus, sed quia pacem animis afferat et eos quasi concordia quadam placet ac leniat.Und auf gleiche Weise werden wir behaupten, dass auch die Mäßigkeit nicht um ihrer selbst willen zu erstreben ist, sondern, weil sie dem Gemüt Frieden bringt und es gleichsam durch Eintracht mit sich selbst versöhnt und besänftigt.
47,2
temperantia est enim, quae in rebus aut expetendis aut fugiendis ut rationem sequamur monet.Denn die Mäßigung ist es, die uns bei der Wahl der Dinge, die wir begehren oder fliehen müssen, mahnt, der Stimme der Vernunft zu folgen.
47,3
nec enim satis est iudicare, quid faciendum non faciendumve sit, sed stare etiam oportet in eo, quod sit iudicatum.Denn es genügt nicht, zu beurteilen, was zu tun oder zu unterlassen ist, sondern man muss auch zu seinem Urteil stehen.
47,4
plerique autem, quod tenere atque servare id, quod ipsi statuerunt, non possunt, victi et debilitati obiecta specie voluptatis tradunt se libidinibus constringendos nec quid eventurum sit provident ob eamque causam propter voluptatem et parvam et non necessariam et quae vel aliter pararetur et qua etiam carere possent sine dolore tum in morbos gravis, tum in damna, tum in dedecora incurrunt, saepe etiam legum iudiciorumque poenis obligantur.Die meisten aber werden, weil sie ihren eigenen Entschluss nicht behaupten und bewahren können, durch das sich ihnen darbietende Trugbild der Lust besiegt und überwältigt und ergeben sich der Dienstbarkeit der Leidenschaften, ohne die Folgen vorauszusehen, und geraten aus diesem Grund wegen einer geringen und nicht notwendigen Lust, die auch auf andere Weise gewonnen oder auch ohne Schmerz entbehrt werden könnte, bald in schwere Krankheiten, bald in Verluste, bald in Schande; oft verfallen sie sogar den Strafen der Gesetze und Gerichte.
48,1
Qui autem ita frui volunt voluptatibus, ut nulli propter eas consequantur dolores, et qui suum iudicium retinent, ne voluptate victi faciant id, quod sentiant non esse faciendum, ii voluptatem maximam adipiscuntur praetermittenda voluptate.Wer hingegen die Vergnügungen so genießen will, dass sie für ihn keine Schmerzen zur Folge haben, und wer seinem Urteil treu bleibt, um nicht, durch die Lust besiegt, etwas zu tun, wovon er einsieht, dass er es nicht tun dürfe, der erringt die höchste Lust durch Verzicht auf Lust.
48,2
idem etiam dolorem saepe perpetiuntur, ne, si id non faciant, incidant in maiorem.Ebenso erduldet er oft auch einen Schmerz, um nicht, wenn er es nicht täte, in einen größeren zu verfallen.
48,3
ex quo intellegitur nec intemperantiam propter se esse fugiendam temperantiamque expetendam, non quia voluptates fugiat, sed quia maiores consequatur.Hieraus erhellt, dass die Unmäßigkeit nicht um ihrer selbst willen zu verabscheuen sowie dass die Mäßigkeit zu erstreben ist, nicht weil sie die Vergnügungen verabscheut, sondern weil sie größere erlangt.
49,1
Eadem fortitudinis ratio reperietur.Ein gleiches Verhältnis wird auch bei der Tapferkeit stattfinden.
49,2
nam neque laborum perfunctio neque perpessio dolorum per se ipsa allicit nec patientia nec assiduitas nec vigiliae nec ea ipsa, quae laudatur, industria, ne fortitudo quidem, sed ista sequimur, ut sine cura metuque vivamus animumque et corpus, quantum efficere possimus, molestia liberemus.Denn weder die Verrichtung von Arbeiten noch die Erduldung von Schmerzen hat an und für sich etwas Anlockendes, auch nicht die Ausdauer, die Beharrlichkeit, die Nachtwachen noch die so gerühmte Tätigkeit, ja selbst die Tapferkeit nicht; sondern dem gehen wir nach, um ohne Sorge und Furcht zu leben und Seele und Körper, soviel wir es erreichen können, von Beschwerden zu befreien.
49,3
ut enim mortis metu omnis quietae vitae status perturbatur, et ut succumbere doloribus eosque humili animo inbecilloque ferre miserum est, ob eamque debilitatem animi multi parentes, multi amicos, non nulli patriam, plerique autem se ipsos penitus perdiderunt, sic robustus animus et excelsus omni est liber cura et angore, cum et mortem contemnit;Denn so, wie durch die Furcht vor dem Tod der ganze Zustand eines ruhigen Lebens getrübt wird, und so, wie den Schmerzen zu unterliegen und sie mit verzagtem und schwachem Gemüt zu ertragen kläglich ist und wegen dieser Schwäche des Gemüts viele ihre Eltern, viele ihre Freunde, einige ihr Vaterland, die meisten aber sich selbst gänzlich zu Grunde gerichtet haben: so ist ein starker und erhabener Geist frei von aller Sorge und Angst, indem er den Tod verachtet.
49,4
qua qui affecti sunt in eadem causa sunt, qua ante quam nati, et ad dolores ita paratus est, ut meminerit maximos morte finiri, parvos multa habere intervalla requietis, mediocrium nos esse dominos, ut, si tolerabiles sint, feramus, si minus, animo aequo e vita, cum ea non placeat, tamquam e theatro exeamus.Im Tod befindet sich ja der Mensch in gleicher Lage wie vor seiner Geburt, und gegen die Schmerzen ist er gerüstet durch den Gedanken, dass die größten durch den Tod ihr Ende finden, die kleinen viele Pausen der Ruhe haben, über die mittelmäßigen wir Meister sind, so dass, wenn sie erträglich sind, wir sie ertragen, andernfalls, mit Gleichmut aus dem Leben, wenn es nicht mehr gefällt, wie aus einem Theater heraustreten.
49,5
quibus rebus intellegitur nec timiditatem ignaviamque vituperari nec fortitudinem patientiamque laudari suo nomine, sed illas reici, quia dolorem pariant, has optari, quia voluptatem.Hieraus erst sieht man, dass um ihrer selbst willen weder Furcht und Feigheit Tadel, noch Tapferkeit und Ausdauer Lob verdienen, sondern dass man jene verwirft, weil sie Schmerz, diese sich erwählt, weil sie Lust erzeugen.
     
 
 
Aufgabenvorschläge:
 
Übersetzung von R.Kühner, bearbeitet von E. Gottwein
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Sententiae excerptae:
w40
1140 Ad manum est, quod sat est.
  Zur Hand ist, was genug ist.
  Sen.epist.4,11
1139 Ad supervacua sudatur.
  Das Überflüssige nur kostet Schweiß.
  Sen.epist.4,11
1448 Adprime in vita est utile, ut nequid nimis .
  Ganz besonders nützlich ist im Leben: Nichts zu viel!
  Ter.Andr.61
2028 aegritudo ut taetra et inmanis belua fugienda
  den Kummer muss man wie ein hässliches, abscheuliches Ungeheuer fliehen
  Cic.Tusc.4,45,1
29 aurea mediocritas
  die goldene Mitte
  Hor.c.2,10,5
1413 Clementia est temperantia animi in potestate ulciscendi vel lenitas superioris adversus inferiorem in constituendis poenis.
  Milde ist Mäßigung in der Strafgewalt oder Zurückhaltung des Vorgesetzten gegenüber dem Untergebenen bei der Festsetzung von Strafen.
  Sen.clem.2,3
1141 Cui cum paupertate bene convenit, dives est.
  Wer mit seiner Armut sich gut verträgt, ist reich.
  Sen.epist.4,11
1119 Distringit librorum multitudo.
  Die Menge der Bücher zerstreut.
  Sen.epist.2,3
2026 est enim ira ulciscendi libido
  Zorn ist Lust, sich zu rächen
  Cic.Tusc.4,44,1
1120 Fastidientis stomachi est, multa degustare.
  Es verrät einen verdorbenen Magen, an vielem herumzukosten.
  Sen.epist.2,4
1048 Gradus unus in ea via, quae est hinc in Indiam.
  Ein Schritt auf dem Weg, der von hier nach Indien führt. (Ein unzureichender Anfang.)
  Cic.fin.3,45
1049 In magnitudine maris Aegaei stilla mellis.
  Ein Tropfen Honig im Aegaeischen Meer. (ein ungenügender Anfang.)
  Cic.fin.3,14,45
2025 iracundiam cotem fortitudinis esse dicunt
  Zorn sei der Schleifstein der Tapferkeit, sagen sie
  Cic.Tusc.4,43,2
104 iucundi acti labores
  angenehm durchstandene Mühen
  (vulgo dicitur: Cic.fin.2,32,105)
229 parvo (est) natura contenta
  Die Natur ist mit wenigem zufrieden
  Cic.fin.2,28,91
2030 perturbationibus sapiens semper vacabit
  Von Leidenschaften wird der Weise immer frei sein
  Cic.fin.3,35,7
2024 qui vitiis modum apponit, is partem suscipit vitiorum
  Wer Fehlern ein Maß setzt, ergreift Partei für die Fehler
  Cic.Tusc.4,42,4
1544 Sic ago: semel bibo.
  Mein Grundsatz ist: ein Schluck, nicht mehr!
  Plaut.Rud.884
183 suavis laborum est praeteritorum memoria
  angenehm ist die Erinnerung an vergangene Mühen
  Cic.fin.2,32,105
Literatur:

23 Funde
4594  Baltes, M.
Die Todesproblematik in der griechischen Philosophie.
in: Gymnasium 95, 2/1988, 97-128
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534  Barigazzi, A.
Sulle fonte del libro primo delle Tusculane de Cicerone
in: RFIC 76/1984,181-203
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in: RFIC 76/1984,181-203
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Cicero. Bestand und Wandel seiner geistigen Welt
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Cicero's Tusculanen. Übs. und erklärt von Raphael Kühner.
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Tusculanarum disputationum libri quinque. Ex Orellii recensione edidit et illustravit Raphael Kühner. Editio altera auctior et emendatior.
Jena, Frommann, 1829; 1835
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Auswahl aus Ciceros Philosophischen Schriften, hgg. v. Oskar Weissenfels. 3. Aufl. besorgt v. Paul Wessner
Leipzig, Berlin (Teubner) 1910
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Cicero. Ein biographischer Versuch
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Proömium von Ciceros Tusculanen (Die Antithese Rom-Griechenland)
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Stoicorum veterum fragmenta, collegit Ioannes ab Arnim. Volumen III: Chrysippi fragmenta moralia, fragmenta succcessorum Chrysippi
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Ein Tag und der Aion. ..zu Ciceros Doxologie der Philos.(Tusc.5,5)
in: Maurach: Philos. (WBG, WdF 193) 1976
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Ein Tag und der Aion... Zu Ciceros Doxologie der Philos. (Tusc.5,5)
in: Maurach. Philos., Darmstadt (WBG, WdF 193) 1976
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Cicero. Wort, Staat, Welt
Stuttgart (Klett) 1967
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4585  Süss, Wilhelm
Cicero. Eine Einführung in seine philosophischen Schriften (mit Ausschluss der staatsphilosophischen Werke)
Wiesbaden (Franz Steiner) 1966
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