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Gaius Iulius Caesar

De bello Gallico 

(1,21-1,25)

 

Weitere Verfolgung der Helvetier - Kampfbeginn

Deutsche Übersetzung bearbeitet nach Baumstark

1 Funde
3148  Baumstark, A.
Des Gaius Iulius Caesar Denkw├╝rdigkeiten des Gallischen und des B├╝rgerkriegs, ├╝bersetzt von A. Baumstark
Stuttgart (Metzler) 1854
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Gallien

(1,21,1) Eodem die ab exploratoribus certior factus hostes sub monte consedisse milia passuum ab ipsius castris octo, qualis esset natura montis et qualis in circuitu ascensus qui cognoscerent misit. (2)  renuntiatum est facilem esse. de tertia vigilia T. Labienum legatum pro praetore cum duabus legionibus et iis ducibus, qui iter cognoverant, summum iugum montis ascendere iubet; quid sui consilii sit ostendit. (3)  ipse de quarta vigilia eodem itinere, quo hostes ierant, ad eos contendit equitatumque omnem ante se mittit. (4)  P. Considius, qui rei militaris peritissimus habebatur et in exercitu L. Sullae et postea in M. Crassi fuerat, cum exploratoribus praemittitur. 
(1)  Am selben Tag meldeten die Kundschafter, die Feinde hätten acht Meilen vom Lager am Fuß eines Berges Halt gemacht. Cäsar ließ nachforschen, wie der Berg beschaffen und wie er ringsum besteigbar sei. (2)  Auf die Nachricht, dass er leicht erstiegen werden könne, gab er um die dritte Nachtwache dem obersten Legaten Titus Labienus Befehl, mit zwei Legionen die Höhe des Berges zu ersteigen und die selben Leute als Führer zu gebrauchen, die den Weg vorher untersucht hatten. Zugleich teilte er ihm seinen Plan mit. (3)  Er selbst brach um die vierte Nachtwache auf dem Weg, den die Feinde genommen hatten, gegen ihr Lager auf und ließ seine ganze Reiterei den Vortrab bilden. (4)  Vorausgeschickt wurde mit den Spähern Publius Considius, der als sehr erfahrener Kriegsmann galt und früher im Heer des Lucius Sulla, später in dem des Marcus Crassus gedient hatte. 
(1,22,1) Prima luce, cum summus mons a [Lucio] Labieno teneretur, ipse ab hostium castris non longius mille et quingentis passibus abesset neque, ut postea ex captivis comperit, aut ipsius adventus aut Labieni cognitus esset, (2)  Considius equo admisso ad eum accurrit, dicit montem quem a Labieno occupari voluerit, ab hostibus teneri: id se a Gallicis armis atque insignibus cognovisse. (3)  Caesar suas copias in proximum collem subducit, aciem instruit. Labienus, ut erat ei praeceptum a Caesare, ne proelium committeret, nisi ipsius copiae prope hostium castra visae essent, ut undique uno tempore in hostes impetus fieret, monte occupato nostros exspectabat proelioque abstinebat. (4)  multo denique die per exploratores Caesar cognovit et montem ab suis teneri et Helvetios castra movisse et Considium timore perterritum, quod non vidisset, pro viso sibi renuntiavisse. (5)  eo die, quo consueverat intervallo, hostes sequitur et milia passuum tria ab eorum castris castra ponit.
(1)  Es war Tagesanbruch. Labienus hielt die Anhöhe des Berges besetzt. Cäsar selbst war vom Lager der Feinde nur noch anderthalb Meilen entfernt, ohne dass diese etwas von Labienus oder Cäsars Annäherung bemerkt hatten, wie man später von den Gefangenen erfuhr. (2)  Da sprengte Considius mit verhängten Zügeln gegen Cäsar heran und meldete, den Gipfel, den er Labienus zu besetzen befohlen hätte, hielten die Feinde; davon habe er sich durch die gallischen Waffen und Feldzeichen überzeugt. (3)  Cäsar führte seine Truppen auf den nächsten Hügel und stellte sie in Schlachtordnung. Labienus, der die Anhöhe wirklich besetzt hatte, wartete auf die Römer und ließ sich in keinen Kampf ein; denn Cäsar hatte ihm verboten, ein Treffen zu beginnen, wenn er nicht seine Truppen nahe beim feindlichen Lage erblickt hätte, damit auf einmal von allen Seiten ein Angriff  die auf die Feinde geschehe. (4)  Endlich, als es schon längst Tag war, berichteten die Kundschafter Cäsar, dass nicht nur die Römer unter Labienus den Berg besetzt, sondern auch die Helvetier ihr Lager verlassen hätten. Considius aber habe in Furcht und Bestürzung Dinge als gesehen gemeldet, die er nicht gesehen. (5)  An diesem Tag folgte Cäsar den Feinden in der gewöhnlichen Entfernung und schlug sein Lager drei Meilen weit von ihnen auf.
(1,23,1) Postridie eius diei, quod omnino biduum supererat, cum exercitui frumentum metiri oporteret, et quod a Bibracte, oppido Haeduorum longe maximo et copiosissimo, non amplius milibus passuum xviii aberat, rei frumentariae prospiciendum existimans iter ab Helvetiis avertit ac Bibracte ire contendit. (2)  ea res per fugitivos L. Aemilii, decurionis equitum Gallorum, hostibus nuntiatur. (3)  Helvetii, seu quod timore perterritos Romanos discedere a se existimarent, eo magis quod pridie superioribus locis occupatis proelium non commisissent, sive eo, quod re frumentaria intercludi posse confiderent, commutato consilio atque itinere converso nostros a novissimo agmine insequi ac lacessere coeperunt.
(1)  Folgenden Tages wendete er sich von den Helvetiern weg und zog gegen Bibracte, die größte und reichste Stadt der H├Ąduer, von der er nur achtzehn Meilen entfernt war; in zwei Tagen musste er nämlich unter seine Leute Lebensmittel austeilen und deshalb auf Vorrat bedacht sein. (2)  Dies erfuhren die Helvetier durch Überläufer des Lucius Aemilius, der eine Schar gallischer Reiter befehligte. (3)  Sie gaben ihren Plan auf, nahmen gleich einen anderen Weg und verfolgten und beunruhigten die Römer des Nachtrabs; mochten sie nun der Meinung sein, die Römer zögen aus Furcht hinweg, besonders da sie am vorigen Tag die Anhöhen besetzt und doch kein Treffen gewagt hätten; oder machten sie sich Hoffnung, ihnen die Lebensmittel abschneiden zu können. 
(1,24,1) Postquam id animadvertit, copias suas Caesar in proximum collem subducit equitatumque, qui sustineret hostium impetum, misit. (2)  ipse interim in colle medio triplicem aciem instruxit legionum quattuor veteranarum; (3)  in summo iugo duas legiones, quas in Gallia citeriore proxime conscripserat, et omnia auxilia conlocari, ita uti supra se totum montem hominibus compleret, interea sarcinas in unum locum conferri et eum ab his, qui in superiore acie constiterant, muniri iussit. (4)  Helvetii cum omnibus suis carris secuti impedimenta in unum locum contulerunt; (5)  ipsi confertissima acie reiecto nostro equitatu phalange facta sub primam nostram aciem successerunt.
(1)  Sobald Cäsar dies wahrnahm, führte er sein Heer auf den nächsten Hügel und schickte die Reiterei ab, um dem Angriff der Feinde zu begegnen. (2)  Er selbst bildet in der Mitte aus den vier alten Legionen eine dreifache Schlachtreihe, (3)  während er ganz oben auf dem Gipfel über sich die jüngst im diesseitigen Gallien gebildeten zwei Legionen samt allen Hilfstruppen aufstellte und so den ganzen Berg mit Leuten füllte. Das Gepäck der einzelnen ließ er mittlerweile auf einem Platz zusammentragen und denselben durch die Truppen verschanzen, die in der obersten Schlachtreihe aufgestellt waren. (4)  Die Helvetier, die mit all ihren Wagen folgten, brachten ihr Gepäck an einem Ort zusammen, warfen in dichtester Schlachtstellung die römische Reiterei zurück, (5)  bildeten einen festgeschlossenen Haufen und rückten gegen die vordere Schlachtreihe der Römer den Berg hinan.
(1,25,1) Caesar primum suo, deinde omnium ex conspectu remotis equis, ut aequato omnium periculo spem fugae tolleret, cohortatus suos proelium commisit. (2)  milites e loco superiore pilis missis facile hostium phalangem perfregerunt. ea disiecta gladiis destrictis in eos impetum fecerunt. (3)  Gallis magno ad pugnam erat impedimento, quod pluribus eorum scutis uno ictu pilorum transfixis et conligatis, cum ferrum se inflexisset, neque evellere neque sinistra impedita satis commode pugnare poterant, (4)  multi ut diu iactato bracchio praeoptarent scuta e manu emittere et nudo corpore pugnare. (5)  tandem vulneribus defessi et pedem referre et, quod mons suberat circiter mille passuum, eo se recipere coeperunt. (6)  capto monte et succedentibus nostris Boii et Tulingi, qui hominum milibus circiter xv agmen hostium claudebant et novissimis praesidio erant, ex itinere nostros latere aperto adgressi circumvenire, et id conspicati Helvetii, qui in montem sese receperant, rursus instare et proelium redintegrare coeperunt. (7)  Romani conversa signa bipertito intulerunt: prima et secunda acies, ut victis ac summotis resisteret, tertia, ut venientes sustineret.
(1)  Cäsar ließ zuerst sein Pferd, dann die Pferde aller übrigen weit wegführen, um die Gefahr für alle gleich zu machen und ihnen die Hoffnung der Flucht zu nehmen. Dann ermunterte er seine Legionen zur Tapferkeit und begann die Schlacht. (2)  Das Fußvolk schleuderte die Wurfgeschosse von der Anhöhe herab und durchbrach mit leichter Mühe den Schlachthaufen der Feinde. Sobald dieser gesprengt war, machte man einen Angriff mit gezogenem Schwert. (3)  Die Helvetier waren bei dem Kampf sehr im Nachteil, weil die schweren Wurfgeschosse der Römer meist mehrere Schilde auf einmal durchbohrten und aneinander hefteten. Hatte sich nun einmal das Eisen gebogen, so konnte man weder die Waffe herausziehen noch bequem kämpfen, weil der linke Arm, der den Schild trug, gehindert war. (4)  Viele warfen deshalb, nachdem sie den Arm lange hin- und hergezerrt ihren Schild weg und fochten mit entblößtem Körper. (5)  Durch Wunden erschöpft wichen die Feinde endlich und zogen sich auf einen Berg zurück, der etwa tausend Schritte entfernt lag. (6)  Als sie den Berg besetzt hatten und die Römer ihnen nachrückten, fielen die Boier und Tulinger, die mit etwa fünfzehntausend Mann den Zug der Feinde beschlossen und ihren Rücken deckten, während des Marsches den Römern in die offene Flanke und schlossen sie ein. Kaum sahen dies die Helvetier, die sich auf den Berg zurückgezogen hatten, als sie wieder vordrangen und die Schlacht erneuerten. (7)  Die Römer machten eine Schwenkung und wendeten ihre Feldzeichen nach zwei Richtungen, indem die zwei ersten Schlachtlinien sich den geschlagenen und geworfenen Helvetiern entgegenstellten, die dritte den andringenden Boiern und Tulingern Widerstand leistete.
   
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Schlacht bei Bibracte (A.v.Campen)
Bibracte nach A.v.Campen, Tab I
  1. Helvetiorum carri et impedimenta
  2. Boii et Tulingi
  3. Romanorum acies III
  4. Romanorum acies triplex IV legionum veterum
  5. legiones II novae et auxilia
  6. Romanorum equites
  7. equites fusi
  8. Helvetii aggredientes
  9. Legionum IV Romanarum acies I et II
  10. Helvetii reiecti
  11. via antiqua Bibracte ferens
  12. Helvetiorum ad Lingones fuga
  13. La Roche
Sententiae excerptae:
w31
Literatur:

11 Funde
1309  Gutenbrunner, S.
Ariovist und Caesar
in: Rh.Mus.96/1953,97-100
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3074  J├Ąkel, Werner
Der Auswanderungsplan der Helvetier. Interpretation zu Cesar BG. I 1-6
in: AU 1,1952, 4,40-57
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24  Krefeld, H. (Hg.)
Interpretationen lateinischer Schulautoren mit didaktischen Vorbemerkungen, unter Mitwirkung von,...
Frankfurt/M (Hirschgraben) 1968
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3216  Latacz, J.
Zu Caesars Erz├Ąhlstrategie (BG.1,1-29: Helvetierfeldzug)
in: AU XXI 3/1978,54
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3270  Mensching, Eckart
Zu den Auseinandersetzungen um den Gallischen Krieg und die Considius-Episode (Caes.Gall.1,21-22).
in: Herm.112/1984, 53-65
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3243  R├╝pke, J.
Gerechte Kriege.. Funktion der G├Âtter in Caesars Helvetierfeldzug (BG.1)
in: AU XXXIII 5/1990,5
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3140  Stoessl, F.
Caesars Politik und Diplomatie im Helvetierkrieg
in: Schweiz.Beitr├Ąge z.allg.Gesch. 8,1950, S. 5ff.
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3139  Szidat, Joachim
Caesars diplomatische T├Ątigkeit im Gallischen Krieg
in: Hist. Einzelschriften 14, Steiner, Wiesbaden 1970
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3141  T├Ąubler
Bellum Helveticum. Eine C├Ąsar-Studie
Z├╝rich 1924
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3129  Walser, Gerold
Bellum Helveticum: Studien zum Beginn der Caesarischen Eroberung von Gallien
Stuttgart, Steiner, 1998
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3260  Wimmel, W.
Caesar und die Helvetier
in: Rh.Mus.123/1980,125/1982
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