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Gaius Iulius Caesar

De bello Gallico 

(7,44-7,56)

 

Die allgemeine Erhebung Galliens unter der Führung des Vercingetorix im Jahr 52 v.Chr.

 III.) 32-56: Gergovia . b) 44-56 Cäsars Misserfolg vor Gergovia und Kämpfe im Gebiet der Häduer

Deutsche Übersetzung bearbeitet nach Baumstark

1 Funde
3148  Baumstark, A.
Des Gaius Iulius Caesar Denkwürdigkeiten des Gallischen und des Bürgerkriegs, übersetzt von A. Baumstark
Stuttgart (Metzler) 1854
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überblick über den Fortgang der Kämpfe im Jahr 52 v.Chr.
überblick über den Fortgang der Kämpfe im Jahr 52 v.Chr. - Caes.Gall.7,14-7,90 (nach: G. Veith, Beilage 14)
Caes.Gall.7,14-7,90 (nach: G. Veith, Beilage 14)

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Gallien

 

(7,44,1) Haec cogitanti accidere visa est facultas bene gerendae rei. nam cum in minora castra operis perspiciendi causa venisset, animadvertit collem, qui ab hostibus tenebatur, nudatum hominibus, qui superioribus diebus vix prae multitudine cerni poterat. (7,44,2) admiratus quaerit ex perfugis causam, quorum magnus ad eum cotidie numerus confluebat. (7,44,3) constabat inter omnes - quod iam ipse Caesar per exploratores cognoverat - dorsum esse eius iugi prope aequum, sed silvestre et angustum, qua esset aditus ad alteram oppidi partem; (7,44,4) vehementer huic illos loco timere nec iam aliter sentire, uno colle ab Romanis occupato si alterum amisissent, quin paene circumvallati atque omni exitu et pabulatione interclusi viderentur; (7,44,5) ad hunc muniendum locum omnes a Vercingetorige evocatos.
(44,1) Mitten in diesen Gedanken glaubte er die Möglichkeit eines glücklichen Schlages wahrzunehmen. Als er sich nämlich einmal in das kleinere Lager begeben hatte, um die Verschanzungen zu besichtigen, nahm er wahr, dass die Höhe, die der Feind innehatte, ganz verlassen war, während man sie in den letzten Tagen vor der Menge Menschen kaum hatte sehen können. (2) Verwundert fragte er die Überläufer, die täglich in großer Zahl zu ihm strömten, nach dem Grund. (3) Alle stimmten in ihren Aussagen darin überein, was Cäsar schon durch Kundschafter wusste, der Rücken dieser Höhe sei ganz eben, aber mit Wald bedeckt, und bilde einen schmalen Übergang nach dem entgegengesetzten Teil der Stadt. (4) Für diesen Ort fürchte man gar sehr. Eine Höhe hätten die Römer schon; würden die Gallier nun auch die zweite verlieren, so wären sie nach ihrer Überzeugung fast ganz eingeschlossen, ohne Ausgang und ohne Möglichkeit für Futter zu sorgen. (5) Vercingetorix habe daher alle Truppen an jenen Punkt gezogen, um ihn zu befestigen.
Ansicht Gergovias von Caesars kleinem Lager aus (Caes.Gall.7,36ff.)
Ansicht von Gergovia
nach A.v.Campen, Tab. X
(7,45,1) Hac re cognita Caesar mittit complures equitum turmas eodem media nocte; imperat his ut paulo tumultuosius omnibus locis pervagentur. (7,45,2) prima luce magnum numerum impedimentorum ex castris mulorumque produci deque his stramenta detrahi mulionesque cum cassidibus equitum specie ac simulatione collibus circumvehi iubet. (7,45,3) his paucos addit equites, qui latius ostentationis causa vagentur. longo circuitu easdem omnes iubet petere regiones. (7,45,4) haec procul ex oppido videbantur, ut erat a Gergovia despectus in castra, neque tanto spatio certi quid esset explorari poterat. (7,45,5) legionem unam eodem iugo mittit et paulum progressam inferiore constituit loco silvisque occultat. (7,45,6) augetur Gallis suspicio atque omnes illo ad munitionem copiae traducuntur. (7,45,7) vacua castra hostium Caesar conspicatus tectis insignibus suorum occultatisque signis militaribus raros milites, ne ex oppido animadverterentur, ex maioribus castris in minora traducit legatisque, quos singulis legionibus praefecerat, quid fieri velit, ostendit; (7,45,8) in primis monet, ut contineant milites, ne studio pugnandi aut spe praedae longius progrediantur; (7,45,9) quid iniquitas loci habeat incommodi, proponit; hoc una celeritate posse vitari; occasionis esse rem, non proelii. (7,45,10) his rebus expositis signum dat et ab dextra parte alio ascensu eodem tempore Haeduos mittit.
(45,1) Infolge dieser Information schickte Cäsar um Mitternacht eine Abteilung Reiter dorthin. Sie hatten den Auftrag, unter Lärm und Getöse überall umherzuschwärmen. (2) Bei Tagesanbruch ließ er eine Menge Packpferde und Maultiere aus seinem Lagerziehen; den Tieren ließ er die Tragsättel abnehmen und die Trossknechte mit Helmen auf dem Kopf, damit sie wie Reiter aussähen, auf den Anhöhen herumreiten. (3) Auch einige Reiter gab er ihnen mit, die sich weiter wagen mussten, um Aufsehen zu erregen. Alle aber hatten den Befehl, auf großen Umwegen in ein und dieselbe Richtung zu ziehen. (4) Da man in Gergovia die Aussicht in das Lager hinab hatte, sah man in der Festung dies alles aus der Ferne, aber der großen Entfernung wegen konnte man nicht genau erkennen, was es eigentlich war. (5) Eine Legion schickte Cäsar auf dieselbe Höhe und ließ sie nach kurzem Vorrücken ziemlich weit unten im Versteck des Gebüsches Halt machen. (6) Dadurch wuchs der Argwohn der Gallier; sie all ihre Truppen dorthin, um die Verschanzung zu beschleunigen. (7) Als aber Cäsar das feindliche Lager leer sah, mussten seine Leute alle Abzeichen verhüllen und alle Fahnen verbergen; dann führte er, damit man es in der Festung nicht bemerkte, seine Soldaten fast einen nach dem andern aus seinem größeren Lager in das kleinere. Den Legaten, die an der Spitze der einzelnen Legionen standen, teilte er jetzt seinen Plan mit. (8) Ganz besonders ermahnt er sie, ihre Leute nicht aus Kampflust und Begierde nach Beute zu weit gehen zu lassen, (9) indem er bemerkte, welcher Nachteil in der ungünstigen örtlichen Beschaffenheit liege; ihn könne man nur durch Schnelligkeit vermeiden; es handele sich da um einen Schlag der Überraschung, nicht um ein Treffen. (10) Hierauf gab er das Zeichen und schickte zur gleichen Zeit auf der rechten Seite die Häduer auf einem anderen Weg die Höhe hinan.
(7,46,1) Oppidi murus a planitie atque initio ascensus recta regione, si nullus amfractus intercederet, mille CC passus aberat; (7,46,2) quicquid huc circuitus ad molliendum clivum accesserit, id spatium itineris augebat. (7,46,3) a medio fere colle in longitudinem, ut natura montis ferebat, ex grandibus saxis sex pedum murum qui nostrum impetum tardaret, praeduxerant Galli atque inferiore omni spatio vacuo relicto superiorem partem collis usque ad murum oppidi densissimis castris compleverant. (7,46,4) milites dato signo celeriter ad munitionem perveniunt eamque transgressi trinis castris potiuntur; (7,46,5) ac tanta fuit in capiendis castris celeritas, ut Teutomatus, rex Nitiobrogum, subito in tabernaculo oppressus, ut meridie conquieverat, superiore corporis parte nuda vulnerato equo vix se ex manibus praedantium militum eriperet.
(46,1) Die Mauer von Gergovia war von der Ebene und dem Anfang des Berges nach gerader Linie gerechnet eintausendzweihundert Schritte entfernt; (2) jeder Umweg, den man machen musste, um die Steilheit des Anstieges zu mildern,  vergrößerte natürlich die Länge des Weges. (3) Die Gallier aber hatten von der Mitte der Höhe, indem sie sich nach der Beschaffenheit des Gebirges richteten, in die Länge hin eine sechs Fuß hohe Mauer aus großen Steinen errichtet, um den Andrang der Römer zurückzuhalten. Der ganze untere Raum war unbesetzt geblieben, den oberen Teil der Anhöhe bis zur Mauer der Festung bedeckten ganz dicht nebeneinander stehende Lager. (4) Cäsars Soldaten gelangten nun auf das Zeichen hin schnell zur Verschanzungsmauer, stiegen darüber hinweg und nahmen drei feindliche Lager. (5) Diese Einnahme geschah so rasch, dass der Nitobrigenfürst Teutomatus während der Mittagsruhe in seinem Zelt überrascht wurde und ohne Panzer und Helm das Pferd bestieg, nach dessen Verwundung er mit knapper Not den Händen der plündernden Römer entging.
(7,47,1) Consecutus id, quod animo proposuerat, Caesar receptui cani iussit legionique decimae, quacum erat, contionatus signa constituit. (7,47,2) at reliquarum legionum milites non audito sono tubae, quod satis magna valles intercedebat, tamen a tribunis militum legatisque, ut erat a Caesare praeceptum, retinebantur; (7,47,3) sed elati spe celeris victoriae et hostium fuga et superiorum temporum secundis proeliis nihil adeo arduum sibi existimabant, quod non virtute consequi possent, neque finem prius sequendi fecerunt, quam muro oppidi portisque adpropinquarunt. (7,47,4) tum vero ex omnibus urbis partibus orto clamore, qui longius aberant, repentino tumultu perterriti, cum hostem intra portas esse existimarent, sese ex oppido eiecerunt. (7,47,5) matres familiae de muro vestem argentumque iactabant et pectore nudo prominentes passis manibus obtestabantur Romanos, ut sibi parcerent neu, sicut Avarici fecissent, ne a mulieribus quidem atque infantibus abstinerent; (7,47,6) nonnullae de muro per manus demissae sese militibus tradebant. (7,47,7) L. Fabius centurio legionis VIII., quem inter suos eo die dixisse constabat excitari se Avaricensibus praemiis neque commissurum, ut prius quisquam murum ascenderet, tres suos nactus manipulares atque ab his sublevatus murum ascendit, eos ipse rursus singulos exceptans in murum extulit.
(47,1) Cäsar hatte seine Absicht erreicht, ließ zum Rückzug blasen und brachte die zehnte Legion, bei der er selbst war, durch einige Worte auf der Stelle zum Halten. (2) Die Tribunen und Legaten suchten zwar entsprechend dem früheren Befehl Cäsars die Soldaten der übrigen Legionen ebenfalls zurückzuhalten, obgleich sie durch ein ziemlich großes Tal vom Feldherrn getrennt waren und den Schall der Trompete nicht gehört hatten. (3) Allein ihre Leute ließen sich durch die Hoffnung eines schnellen Sieges, durch die Flucht der Feinde und durch das Glück in den früheren Schlachten so hinreißen, dass sie nichts für so schwer hielten, dass sie es nicht durch ihre Tapferkeit erlangen könnten. Sie verfolgten daher den Feind bis vor die Mauern und Tore von Gergovia. (4) Nun entstand überall in der Festung ein großes Geschrei, und die Bewohner der entfernteren Stadtteile gerieten durch den plötzlichen Angriff so in Schrecken, dass sie die Feinde schon innerhalb der Tore wähnten und aus der Festung stürzten. (5) Die Frauen warfen Kleider und Silber die Mauer hinab, ragten mit bloßer Brust darüber hervor und flehten mit erhobenen Händen zu den Römern, sie zu schonen und doch nicht wie bei Avaricum sich sogar an dem weiblichen Geschlecht und den unmündigen Kindern zu vergreifen. (6) Einige von ihnen ließen sich über die Mauer hinabheben und übergaben sich den Soldaten. (7) Lucius Fabius, der Centurio in der achten Legion, der durch Cäsars Belohnungen bei Avaricum angefeuert seinen Leuten erklärt hatte, keiner dürfe vor ihm die Mauer besteigen, nahm drei seiner Soldaten und bestiegt mit ihrer Unterstützung die Mauer. Dann gab er selbst jedem von ihnen die Hand und zog ihn so hinauf.
Lageplan von Gergovia (Caes.Gall.7,36-53)
Lageplan von Gergovia
nach A.v.Campen, Tab. X
(7,48,1) Interim ii, qui ad alteram partem oppidi, ut supra demonstravimus, munitionis causa convenerant, primo exaudito clamore, inde etiam crebris nuntiis incitati oppidum ab Romanis teneri, praemissis equitibus magno cursu eo contenderunt. (7,48,2) eorum ut quisque primus venerat, sub muro consistebat suorumque pugnantium numerum augebat. (7,48,3) quorum cum magna multitudo convenisset, matres familiae, quae paulo ante Romanis de muro manus tendebant, suos obtestari et more Gallico passum capillum ostentare liberosque in conspectum proferre coeperunt. (7,48,4) erat Romanis nec loco nec numero aequa contentio; simul et cursu et spatio pugnae defatigati non facile recentes atque integros sustinebant.
(48,1) Unterdessen vernahmen die Gallier, die mit der Verschanzung befestigt und auf der auf der anderen Seite außerhalb der Festung versammelt waren, den Lärm schickten angetrieben durch die wiederholte Nachricht, Gergovia sei in den Händen des Feindes, die Reiterei voraus und eilten selbst in größter Eile dorthin.  (2) So, wie einer nach dem anderen eintraf, stellte er sich an die Mauer zu den Seinen und vermehrte die Zahl der Kämpfenden. (3) Kaum war eine große Menge Leute versammelt, als auch die Frauen, die noch kurz vorher ihre Hände gegen die Römer ausstreckten, nun ebenso ihre Leute beschworen, ihnen nach gallischer Sitte die fliegenden Haare entgegenhielten und ihre Kinder zeigten. (4) Die Römer hatten jetzt einen ungünstigen Kampf, was Zahl und Stellung betraf: durch ihren ersten Sturm und die lange Dauer des Kampfes erschöpft konnten sie sich unmöglich gegen die kräftigen und ungeschwächten Truppen des Feindes halten.
(7,49,1) Caesar cum iniquo loco pugnari hostiumque augeri copias videret, praemetuens suis ad T. Sextium legatum, quem minoribus castris praesidio reliquerat, misit, ut cohortes ex castris celeriter educeret et sub infimo colle ab dextro latere hostium constitueret, (7,49,2) ut, si nostros loco depulsos vidisset, quominus libere hostes insequerentur, terreret. (7,49,3) ipse paulum ex eo loco cum legione progressus, ubi constiterat, eventum pugnae exspectabat.
(49,1) Als nun Cäsar sah, dass der Kampfplatz für ihn nachteilig war und sich die Zahl der Feinde stets vergrößerte, war er wegen seiner Leute in großer Furcht und sandte dem Legaten Titus Sextius, der zum Schutz des kleineren Lagers zurückgeblieben war, den Befehl, die Kohorten schnell aus dem Lager zu führen und auf der rechten Seite des Feindes ganz unten am Hügel Stellung zu beziehen, (2) um den Feind, falls er die Römer weichen sähe, von einer weiteren Verfolgung abzuschrecken. (3) Er selbst zog von seinem Standpunkt aus mit seinen Legionen etwas weiter vorwärts und wollte den Ausgang der Schlacht abwarten.
(7,50,1) Cum acerrime comminus pugnaretur, hostes loco et numero, nostri virtute confiderent, subito sunt Haedui visi ab latere nostris aperto, quos Caesar ab dextra parte alio ascensu manus distinendae causa miserat. (7,50,2) hi similitudine armorum vehementer nostros perterruerunt, ac tametsi dextris umeris exsertis animadvertebantur, quod insigne pactum esse consuerat, tamen id ipsum sui fallendi causa milites ab hostibus factum existimabant. (7,50,3) eodem tempore L. Fabius centurio quique una murum ascenderant, circumventi atque interfecti de muro praecipitabantur. (7,50,4) M. Petronius, eiusdem legionis centurio, cum portas excidere conatus esset, a multitudine oppressus ac sibi desperans multis iam vulneribus acceptis, manipularibus suis, qui illum erant secuti: 'quoniam', inquit, 'me una vobiscum servare non possum, vestrae quidem certe vitae prospiciam, quos cupiditate gloriae adductus in periculum deduxi.  vos data facultate vobis consulite.' (7,50,5) simul in medios hostes inrupit duobusque interfectis reliquos a porta paulum submovit. (7,50,6) conantibus auxiliari suis 'frustra' inquit 'meae vitae subvenire conamini, quem iam sanguis viresque deficiunt. proinde abite, dum est facultas, vosque ad legionem recipite.' ita pugnans post paulo concidit ac suis saluti fuit.
(50,1) Als man so einen äußerst verbissenen Nahkampf führte und die Feinde ihr Vertrauen in die Örtlichkeit und ihre Zahl, die Römer dagegen in ihre Tapferkeit setzten, erblickte man plötzlich die Häduer in der offenen Flanke der Römer. Cäsar hatte sie bekanntlich nach der rechten Seite hin auf einem anderen Weg den Hügel hinaufgeschickt, um die Feinde auch dort zu beschäftigen. (2) Jetzt jagte die Ähnlichkeit ihrer Bewaffnung mit der gallischen den Römern einen großen Schrecken ein; denn obgleich man bemerkte, dass sie die rechte Schulter außerhalb des Mantels trugen, das gewöhnliche Erkennungszeichen für die Bundesgenossen, glaubten Cäsars Leute, dies geschehe gerade um zu täuschen. (3) Zur gleichen Zeit wurde der Centurio Lucius Fabius samt denen, die mit ihm die Mauer bestiegen hatten, von Feinden umringt, niedergehauen und über die Mauer geworfen. (4) Marcus Petronius, ein anderer Hauptmann in derselben Legion, wollte ein Tor einhauen, wurde aber von einer Masse Feinde so bedrängt, dass er sich nicht mehr zu retten wusste. Bereits schwer verwundet sprach er zu seinen Leuten, die ihm gefolgt waren: "Weil es unmöglich ist, euch und mich zugleich zu retten, will ich wenigstens für euer Leben sorgen; denn meine Ruhmbegier hat euch in diese Gefahr gebracht. Denkt also an euch, solange es möglich ist!" (5) Mit diesen Worten rannte er mitten in die Feinde, stieß zwei von ihnen nieder und drängte die übrigen ein wenig vom Tor hinweg. (6) Als ihm dann seine Leute helfen wollten, sate er: "Vergebens wollt ihr meinem Leben beispringen, da mich schon mein Blut und meine Kräfte verlassen. Zurück also, solange ihr noch könnt! So viel er kurz darauf im Kampf und rettete die Seinen.
(7,51,1) Nostri cum undique premerentur, sex et quadraginta centurionibus amissis deiecti sunt loco. sed intolerantius Gallos insequentes legio decima tardavit, quae pro subsidio paulo aequiore loco constiterat. (7,51,2) hanc rursus XIII. legionis cohortes exceperunt, quae ex castris minoribus eductae cum T. Sextio legato locum ceperant superiorem. (7,51,3) legiones ubi primum planitiem attigerunt, infestis contra hostem signis constiterunt. (7,51,4) Vercingetorix ab radicibus collis suos intra munitiones reduxit. eo die milites sunt paulo minus septingenti desiderati.
(51,1) Die Römer wurden von allen Seiten bedrängt, endlich mit einem Verlust von sechsundvierzig Centurionen aus ihrer Stellung vertrieben. Als jedoch die Gallier mit großer Heftigkeit auf dem Fuß nachsetzten, wurden sie von der zehnten Legion aufgehalten, die als Reserve an einem etwas vorteilhafteren Punkt stand. (2) Dasselbe taten auch die Kohorten der dreizehnten Legion, die das kleiner Lager verlassen und unter Führung des Legaten Titus Sextius einen höheren Punkt besetzt hatten. (3) Das Heer selbst stellte sich wieder gegen den Feind, sobald man die Ebene erreichte. (4) Vercingetorix führte seine Leute vom Fuß des Berges wieder hinauf in das Lager. Die Römer verloren an diesem Tag fast siebenhundert Mann.
(7,52,1) Postero die Caesar contione advocata temeritatem militum cupiditatemque reprehendit, quod sibi ipsi iudicavissent, quo procedendum aut quid agendum videretur, neque signo recipiendi dato constitissent neque a tribunis militum legatisque retineri potuissent. (7,52,2) exposuit, quid iniquitas loci posset, quod ipse ad Avaricum sensisset, cum sine duce et sine equitatu deprehensis hostibus exploratam victoriam dimisisset, ne parvum modo detrimentum in contentione propter iniquitatem loci accideret. (7,52,3) quantopere eorum animi magnitudinem admiraretur, quos non castrorum munitiones, non altitudo montis, non murus oppidi tardare potuisset, tantopere licentiam arrogantiamque reprehendere, quod plus se quam imperatorem de victoria atque exitu rerum sentire existimarent; (7,52,4) non minus se in milite modestiam et continentiam quam virtutem atque animi magnitudinem desiderare.
(52,1) Tags darauf versammelte Cäsar seine Truppen und tadelte die Leichtfertigkeit und Unbeherrschtheit seiner Soldaten, dass sie für sich bestimmt hätten, wie weit man vorrücken und was man anfangen müsse, dass sie weder beim Zeichen zum Rückzug Halt gemacht noch sich von den Tribunen und Legaten hätten zurückhalten lassen. (2) Er setzte ihnen auseinander, wie viel eine ungünstige Stellung vermöge, wie es ihm bei Avaricum zu Mute gewesen sei, als er den Feind ohne Anführer und Reiterei überrascht, aber dennoch auf den fast sicheren Sieg verzichtet habe, um selbst nicht einmal einen geringen Verlust wegen der nachteiligen Lage des Ortes im Gefecht zu erleiden. (3) Wie sehr er auch ihren großen Mut bewundere, weil sie sich nicht durch die Verschanzung der feindlichen Lager, nicht durch die Höhe des Berges , nicht durch die Mauer der Festung hätten zurückhalten lassen, ebenso sehr tadle er ihre Unbescheidenheit und Anmaßung, in der sie glaubten, vom Sieg und vom Ausgang der Unternehmung mehr zu verstehen als ihr Feldherr. (4) Er verlange vom Soldaten nicht bloß Tapferkeit und Heldenmut, sondern auch Gehorsam und Unterwerfung.
(7,53,1) Hac habita contione et ad extremam orationem confirmatis militibus, ne ob hanc causam animo permoverentur neu, quod iniquitas loci attulisset, id virtuti hostium tribuerent, eadem de profectione cogitans, quae ante senserat, legiones ex castris eduxit aciemque idoneo loco constituit. (7,53,2) cum Vercingetorix nihilo minus [intra munitiones remaneret neque] in aequum locum descenderet, levi facto equestri proelio, atque eo secundo, in castra exercitum reduxit. (7,53,3) cum hoc idem postero die fecisset, satis ad Gallicam ostentationem minuendam militumque animos confirmandos factum existimans in Haeduos movit castra. (7,53,4) ne tum quidem insecutis hostibus tertio die ad flumen Elaver pontes reficit eoque exercitum traducit.
(53,1) Am Ende der Rede ermunterte er jedoch die Soldaten, es sich nicht zu sehr zu Herzen gehen zu lassen und die Wirkung der ungünstigen Örtlichkeit nicht der Tapferkeit des Feindes zuschreiben. Weil er übrigens über den Aufbruch von Gergovia noch immer dasselbe dachte, rückte er mit seinem Heer aus dem Lager und bildete an einem günstigen Punkt eine Schlachtlinie. (2) Da aber Vercingetorix auch jetzt [innerhalb der Befestigung blieb und] nicht in die Ebene herabkam, zog er nach einem unbedeutenden, für ihn übrigens günstigen Reitergefecht wieder ins Lager zurück. (3) Dasselbe tat er auch am nächsten Tag, wodurch er die gallische Prahlsucht hinlänglich gedämpft und den Mut seiner Leute genug gestärkt zu haben glaubte. Anschließend brach er zu den Häduern auf. (4) Die Feinde verfolgten ihn auch jetzt nicht und so stellte er schon am dritten Tag eine Brücke über den Elaver wieder her, über die er dann seine Truppen führte.
(7,54,1) Ibi a Viridomaro atque Eporedorige Haeduis appellatus discit cum omni equitatu Litaviccum ad sollicitandos Haeduos profectum; opus esse ipsos antecedere ad confirmandam civitatem. (7,54,2) etsi multis iam rebus Haeduorum perfidiam Caesar perspectam habebat atque horum discessu admaturari defectionem civitatis existimabat, tamen eos retinendos non censuit, ne aut inferre iniuriam videretur aut daret aliquam timoris suspicionem. (7,54,3) discedentibus his breviter sua in Haeduos merita exposuit, quos et quam humiles accepisset, compulsos in oppida, multatos agris, omnibus ereptis sociis, imposito stipendio, obsidibus summa cum contumelia extortis, (7,54,4) et quam in fortunam quamque in amplitudinem deduxisset, ut non solum in pristinum statum redissent, sed omnium temporum dignitatem et gratiam antecessisse viderentur. his datis mandatis eos ab se dimisit.
(54,1) Jetzt verlangten ihn Viridomarus und Eporedorix zu sprechen, durch die er erfuhr, dass Litaviccus mit der ganzen Reiterei aufgebrochen sei, um die Häduer zur Empörung zu bringen; sie müssten deshalb vorausgehen, um ihre Landsleute in Ruhe zu halten. (2) Cäsar hatte die Treulosigkeit der Häduer vielfach kennen gelernt und war überzeugt, dass durch die Abreise der beiden der Abfall nur beschleunigt werde; dennoch wollte er sie nicht zurückhalten, um nicht hart gegen sie zu erscheinen oder gar für furchtsam zu gelten. (3) Nur erinnerte er sie bei ihrem Abschied kurz an die Beweise seines Wohlwollens gegen die Häduer, in welchem Zustand und wie herabgewürdigt er sie vorgefunden habe: in ihren Städten eingeschlossen, ihrer Ländereien verlustig, ohne alle Bundesgenossen, ihres Wohlstandes beraubt, mit Abgaben belastet, durch Stellung von Geiseln tief gedemütigt; (4) in welche glückliche und angesehene Lage er sie hingegen gebracht habe, so dass sie nicht bloß wieder das geworden wären, was sie waren, sondern dass ihre Bedeutsamkeit und ihr Ansehen jetzt größer sei als jemals. Mit diesen Mahnungen entließ er beide.
(7,55,1) Noviodunum erat oppidum Haeduorum ad ripas Ligeris opportuno loco positum. (7,55,2) huc Caesar omnes obsides Galliae, frumentum, pecuniam publicam, suorum atque exercitus impedimentorum magnam partem contulerat; (7,55,3) huc magnum numerum equorum huius belli causa in Italia atque Hispania coemptum miserat. (7,55,4) eo cum Eporedorix Viridomarusque venissent et de statu civitatis cognovissent, Litaviccum Bibracte ab Haeduis receptum - quod est oppidum apud eos maximae auctoritatis - , Convictolitavem magistratum magnamque partem senatus ad eum convenisse, legatos ad Vercingetorigem de pace et de amicitia concilianda publice missos, non praetermittendum instans tantum commodum existimaverunt. (7,55,5) itaque interfectis Novioduni custodibus quique eo negotiandi aut itineris causa convenerant, (7,55,6) pecuniam atque equos inter se partiti sunt, obsides civitatum Bibracte ad magistratum deducendos curaverunt, (7,55,7) oppidum, quod ab se teneri non posse iudicabant, ne cui esset usui Romanis, incenderunt, (7,55,8) frumenti quod subito potuerunt navibus avexerunt, reliquum flumine atque incendio corruperunt. (7,55,9) ipsi ex finitimis regionibus copias cogere, praesidia custodiasque ad ripas Ligeris disponere equitatumque omnibus locis iniciendi timoris causa ostentare coeperunt, si ab re frumentaria Romanos excludere aut adductos inopia ex provincia expellere possent. (7,55,10) quam ad spem multum eos adiuvabat, quod Liger ex nivibus creverat, ut omnino vado non posse transiri videretur.
(55,1) An dem Liger lag sehr günstig Noviodunum, eine Festung der Häduer. (2) Cäsar hatte alle gallischen Geiseln, das Getreide, die Kriegskasse samt einem großen Teil seines eigenen Gepäcks und dem seines Heeres dorthin bringen lassen. (3) Auch war eine große Zahl Pferde, die man zu diesem Krieg in Italien und Spanien aufkaufte, dorthin geschickt worden. (4) Als Eporedix und Viridomarus dort ankamen und über die Verhältnisse in ihrem Staat erfuhren, dass man den Litaviccus in Bibracte, der im Lande angesehensten Stadt, aufgenommen hatte und sich Convictolitavis, der die höchste Staatswürde bekleidete, mitsamt den meisten Mitgliedern der Regierung zu ihm begeben hatte, dass man endlich an Vercingetorix Gesandte zum Abschluss eines Friedens- und Freundschaftsvertrages abgesandt hatte, glaubten beide, eine so günstige Gelegenheit nicht ungenutzt lassen zu dürfen. (5) Daher machten sie die römischen Handelsleute und Reisenden in Noviodunum samt der von Cäsar dort gelassenen Mannschaft nieder; (6) Geld und Pferde verteilte man; die gallischen Geiseln schickte man der Staatsregierung in Bibracte zu, (7) Noviodunum selbst brannte man nieder, damit es nicht den Römern nützlich werde, weil man wohl sah, dass es sich nicht behaupten lasse. (8) Von Lebensmitteln schifften sie augenblicklich so viel wie möglich auf dem Liger fort; den Rest verdarben sie durch Wasser und Feuer. (9) Hierauf begannen sie, aus der Umgegend Truppen zusammenzuziehen, längs des Flusses Wachen und kleinere Besatzungen aufzustellen und, damit Furch aufkäme, überall Reiterei zu zeigen, um möglicherweise den Römern die Lebensmittel abzuschneiden und sie durch Mangel aus der Provinz zu vertreiben. (10) Dieser Hoffnung lebten sie um so fester, als der Liger von der Schneeschmelze angeschwollen war und es ganz unmöglich schien, zu Fuß hinüber zu kommen.
(7,56,1) Quibus rebus cognitis Caesar maturandum sibi censuit, si esset in perficiendis pontibus periclitandum, ut prius, quam essent maiores eo coactae copiae, dimicaret. (7,56,2) nam ut commutato consilio iter in provinciam converteret, ut metu quidam necessario faciundum existimabant, cum infamia atque indignitas rei et oppositus mons Cebenna viarumque difficultas impediebat, tum maxime quod abiuncto Labieno atque iis legionibus, quas una miserat, vehementer timebat. (7,56,3) itaque admodum magnis diurnis nocturnisque itineribus confectis contra omnium opinionem ad Ligerim venit (7,56,4) vadoque per equites invento pro rei necessitate opportuno, ut bracchia modo atque umeri ad sustinenda arma liberi ab aqua esse possent, disposito equitatu, qui vim fluminis refringeret, atque hostibus primo aspectu perturbatis, (7,56,5) incolumem exercitum traduxit frumentumque in agris et pecoris copiam nactus repleto his rebus exercitu iter in Senones facere instituit.
(56,1) Bei der Nachricht davon glaubte Cäsar eilen zu müssen, um, wenn er allenfalls beim Bau einer Brücke ein Treffen wagen müsse, diesen Kampf zu bestehen, ehe sich in jener Gegend der Feind verstärke. (2) Denn davon, seinen Plan aufzugeben und sich in das römische Gallien zurückzuziehen, was nun nachgerade jedem unumgänglich notwendig schien, hielt ihn teils das Schimpfliche und Unwürdige der Sache ab, teils das im Weg liegende Cevennengebirge und die schlimmen Wege überhaupt. Besonders aber fürchtete er sehr um den von ihm getrennten Labienus und die mit ihm nach Agedincum geschickten Legionen. (3) In ungemein starken Tag- und Nachtmärschen gelangte er also ganz unerwartet zum Liger (4) Seine Reiter entdeckten eine für seine damalige Lage sehr willkommene Furt, an der die Soldaten beim Übergang wenigstens Schultern und Arme frei über dem Wasser hatten, um die Waffen nicht zu verlieren. Die Feinde waren beim ersten Anblick betroffen; überdies hatte er auch die Reiterei in den Strom gestellt, um so die Gewalt der Fluten zu brechen. (5) So führte er sein Heer ohne Verlust über den Fluss. Mit dem Getreide und Vieh, das er in Menge auf dem Land vorfand,  versorgte er seine Legionen reichlich und zog weiter in das Gebiet der Senonen.
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Sententiae excerptae:
w40
Literatur:

2 Funde
3127  Fischer, Maximilian Achilles
Gergovia: Zur Erläuterung von Caesar de bello Gall. VII. 35-51
Leipzig, 1855-56
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3268  Göler, August v.
Cäsar's Gallischer Krieg in dem Jahre 52 v. Chr. (Avaricum, Gergovia, Alesia) nach Cäsars bell. gall. lib. VII. bearbeitet in drei Tafeln
Karlsruhe : Braun, 1859
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