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Marcus Tullius Cicero
De re publica

Referatshemen

 
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Seneca und die Stoa

Anna-Katharina Theison

 

Gliederung:
  1. Kurzer Lebenslauf von Seneca
  2. Information über die Stoa
  3. Die Stoa in Senecas Leben (die Bedeutung für ihn)
  4. Die Stoa und die Religion in Senecas Leben
  5. Seneca als Stoiker in Rom
  6. Die stoische Philosophie Senecas anhand des 89. Briefes
  1. Lebenslauf Senecas

    v.Chr.

    4 Lucius Annaeus Seneca wird in Corduba geboren

    n.Chr.

    13 – 19 Philosophische Studien in Rom
    25 – 31 Aufenthalt in Ägypten wegen seines schlechten Gesundheitszustandes; Seneca betreibt dort Studien, die wichtig sind für seine späteren  naturwissenschaftlichen Schriften (z.B. Naturales quaestiones)
    34 – 35 Seneca war Quaestor
    39 Seneca war Volkstribun oder Aedil
    41 Seneca wird von Claudius nach Korsika verbannt; Trostschriften an Helvia, an Polybius; de ira 
    49 Claudius heiratet die ehrgeizige Agrippina, die Nero, ihren Sohn aus der vorherigen Ehe, zum Prinzeps machen will; auf ihre Veranlassung hin wird Seneca aus der Verbannung zurückgeholt und zum Erzieher Neros bestimmt. De brevitate vitae    
    50 Seneca war Praetor
    53 De tranquillitae animi  
    56 Seneca war Konsul, Führung der Regierungsgeschäfte mit Burrus; Beginn der Tragödiendichtung, de clementia
    58 Vorwürfe des Suillius gegen Seneca; de vita beata
    62 – 65 Seneca lebt zurückgezogen ; de otio, Naturales Quaestiones, Epistulae morales  
    64 n.Chr. Brand Roms 
    65 Aufdeckung der pisonischen Verschwörung, Selbstmord Senecas
  2. Information über die Stoa 

    Der Gründer der Stoa war Zenon aus Citium um 300): Die Philosophie der Stoa kann man grob in drei Teile einteilen: Logik, Physik und Ethik.
    1. Logik

      Zur Logik zählt man die Dialektik, Rhetorik, mit Poetik und Grammatik, sowie die Erkenntnistheorie.
    2. Physik: 

      Das Grundprinzip der Physik/Naturlehre der Stoa meint, dass die Welt (Makrokosmos) ein lebendiger Wirkungsprozess zweier Prinzipien ist, nach dem ein geistiger, gestaltender Stoff (Pneuma) einen materiellen, passiven formt, so dass sich das Universum zu einem zweckmäßigen und vollkommenen Ganzen im Sinne einer göttlichen Vorsehung entfaltet. Die Welt entstand nach stoischer Physik dadurch, dass sich aus einem Urfeuer die Elemente entwickelten. Nach einer Weltperiode wird die Welt zerstört und der endlose Kreislauf beginnt nach den selben Gesetzen wieder von vorne. Der Mensch ist der Mikrokosmos, ein Abbild der Weltseele. Die Seele ist das unseren Körper durchwaltende pneuma, ihr beherrschender Teil in dem die Persönlichkeit sitzt ist die Vernunft, die Zeugungskraft, das Sprachvermögen und die fünf Sinne sind er Vernunft untergeordnet.
    3. Ethik:

      Der Grundbegriff von dem die Hellenisten ausgehen ist die Eudamonia, die wir üblicherweise mit Glückseligkeit übersetzen. Sie bildet das teloV, d.h. den höchsten Zweck oder das höchste Gut, dem alle anderen Güter untergeordnet sind. Der oberste Grundsatz der Ethik lautet: gemäß der Natur zu leben (th jusei omologou menwV zhn). Der Mensch will von Natur aus glücklich sein, diese Glückseligkeit erreicht er laut Stoiker aber nur durch Affektfreiheit, durch Apathie (apaqeia = Leidenschaftslosigkeit). Das tugendhafte, d.h. glückliche Leben (vita beata) besteht darin , den Affekt (pertubatio animi) zu beherrschen . Der Stoiker geht davon aus, dass sich in der Seele des Menschen aufgrund von außen einströmender Sinneseindrücke die Vorstellung ausbildet von dem, was er erstrebeben könnte. Da der Mensch aber die Vernunft (ratio) besitzt, wird nicht jede Vorstellung sofort ausgeführt, sondern die Vernunft muss erst entscheiden ob die Sache nützlich oder unnützlich ist. Der Affekt entsteht zum Beispiel dann wenn die Vernunft falsch entschieden hat. Daraus folgt, dass nur der richtige Gebrauch der Vernunft das echte, wahre und höchste Gut ist. Nur der Weise kann, weil er die richtige Vernunft hat , die rechte Handlung vollbringen. Der Weise, der nicht nur die rechte Vernunft, sondern auch die Kardinaltugenden (Einsicht, Tapferkeit, Selbstbeherrschung, Gerechtigkeit) beherrscht, wird vom Stoiker als Idealbild vor die Augen gehalten, um ihm zu zeigen wie er sich in einer bestimmten Lebenssituation zu verhalten hat. Jedoch gibt es wenige Weise; die Stoiker selbst bezeichnen nicht einmal ihre Gründer als Weise. Seneca meint: ²Im Laufe von fünf Jahrhunderten trete nur einmal ein Weiser auf ²(Ep.mor. 42,1). Dennoch wurde die Stoa in Rom die maßgebliche Philosophie, wohl weil sie dem ²lustfeindlichen² Pflichtbewusstsein der Römer entgegenkam. Politisch sind die Stoiker Kosmopoliten (d.h. sie fordern Gleichberechtigung für alle und verteidigen die Volksreligion),  für den es keine nationalen Grenzen gibt, da alle Menschen Brüder sind.
  3. Die Stoa in Senecas Leben

    Der Aristokrat Lucius Annaeus Seneca (4 v. Ch. bis 65 n. Ch.) kam mit seinem Vater, der Schriftsteller war nach Rom und wurde dort in seinen philosophischen Grundzügen von der Stoa seiner Zeit geprägt. Man zählt ihn deshalb später auch zu den Stoikern der Kaiserzeit. Seneca erwarb sich seine stoischen Gedanken vor allem als Schüler/Zuhörer des Attalus und Sotion. Bei Attalus lernte er die Bescheidenheit kennen, da Attalus gegen jeglichen Luxus, der den Menschen in seiner Persönlichkeitsentwicklung und im Geist negativ beeinflusst, war; so schlief Seneca auch noch im hohen Alter auf einer harten Matratze um seinem Vorbild zu gleichen. Bei Sotion erlernte er den Verzicht auf Fleisch, da Sotion vom pythagoreischen Glauben geprägt war, nach welchem die Seelen in einem Kreislauf sind und somit wandern. So war Seneca der Überzeugung, dass durch den Vegetarismus sein Geist noch freier wäre. Ebenfalls übernahm er von Sotion die ²tägliche Gewissensprüfung²(1). Jeden Abend gab er sich Rechenschaft über seine Tagesverlauf, um seine schlechten Angewohnheiten unter Kontrolle zu bekommen. Einen anderen, jedoch eher geringen Teil zu seinem stoischen Weltverständnis trugen die Schriften der Sextieren und des Papirius Fabianus bei, aus denen er immer neues Selbstvertrauen schöpfte und die seine Willensrichtung bestätigten. Durch diese Philosophie, die ihm durch diese Stoiker immer wieder vermittelt wurde, rückten die altrömischen Tugenden in seinem spätern Leben immer mehr in den Hintergrund. Denn Seneca suchte einen neuen Halt und Hilfe in einer Zeit der Korruptionen und der Genusssucht. Aber erst das philosophische Studium vermochte ihm diese Sicherheit zu geben, dadurch nämlich, dass es den Anspruch der Dinge, die auf ihn einstürmten, als Schein entlarvte und das Erkennen dessen, wie die Welt wirklich ist, ihm als sein wahres Ziel vor Augen hielt. Dadurch befreite die Philosophie Seneca, dass sie ihm ein Leben unter Führung des Geistes abforderte, damit er die rechten Verhaltensweisen (Ablehnung der Affekte und belastender Äußerlichkeiten) den inneren Frieden und die Selbstkritik (wieder) erlernte. Seneca hat bestimmt nie das Ziel gehabt, einen neuen Gedanken der stoischen Theorie zu erfinden, aber er war der Überzeugung, dass es seine Pflicht sein, eine eigene, persönliche Stellungsnahme zu ergründen, was ihn an der stoischen Theorie interessiere und was nicht. Dieses Ziel, welches er sich setzte, nahm er in jeder Lebenssituation, in der er sich befand und wenn sie noch so schwer war, ernst. Durch die Erfahrungen, die er dabei machte, entdeckte er sich selbst, durch den stoischen Geist gelenkt, als ein innerlich ausgeglichenen Menschen, der unabhängig davon immer noch ein aufmerksamer Betrachter seiner Umwelt blieb. Diese Erfahrungen konnte er aber nur um so intensiver erfahren, und damit wäre ein weiterer Grundsatz der Stoa bestätigt, weil er sich am politischen Leben beteiligt hat und somit alle Höhen und Tiefen im Staat direkt miterleben konnte, zusätzlich zu seinen privaten Problemen. Seneca ist also ein Mann, der sich nicht der Ruhe/Faulheit widmet, sondern sich lieber in die hohen Wogen der stürmischen Zeit wirft, wobei er gleichzeitig alles gewinnen oder verlieren konnte. Das stoische Ideal Senecas ist das des Weisen. Wobei der Weise nicht mehr als unerreichbares Ziel gilt, als einen vom Menschlichen abgehobenen Zustand, sondern es scheint, dass man ihn annäherungsweise erreichen kann, dass es  sich also rentiert sich auf den Weg zu begeben = zu philosophieren,  ein Vorwärtsschreitender auf dem Wege zum Ziel (teloV) , und das Ziel ist für Seneca das Erkennen des Ewigen in der Welt, des Lebens zu sein. Dass es möglich ist zeigt Seneca am Beispiel des Cato und macht so den anderen Mut, dass es auch ein ²normaler Mensch² schaffen kann, weise zu werden. Damit hat Seneca den krassen Gegensatz zwischen Weisen und Toren geglättet, so dass es jedem möglich ist, sein Leben zu vervollkommnen. Ein besonderes Merkmal von Senecas Stoizismus ist der Umgang mit Freunden. Für ihn sind Freunde auch seine Schüler, denen er wohl manchmal einen Rat gibt, die ihm aber im Prinzip gleich sind, da sie nämlich das selbe Ziel verfolgen: den inneren Fortschritt. Bei Seneca steht das Gemeinwesen im Vordergrund, denn Gemeinschaft gewährt Freude und Genugtuung, die Gemeinschaft und Freunde ermöglichen es zu diskutieren, Meinungen auszutauschen, sich zu rechtfertigen und neue Standpunkte genau kennen zu lernen. ²Ohne das Du ist das Leben zwar möglich aber nicht lebenswert. Denn der Mensch soll tätig sein, tätig für die Gemeinschaft.²(2). So ist es auch nicht verwunderlich, dass die meisten Schriften Senecas kleinere Abhandlungen = dialogi oder Briefe, bei denen sich zwei Personen über ein Thema unterhalten, denn er hatte bei Attalus auch gelernt, dass Zuspruch immer sprechen zu jemandem ist und darum wenden sich alle Schriften immer an eine bestimmte Person in einer bestimmten Lage, sind. Bei den Briefen ²epistulae morales² an Lucilius, fällt auf, dass er manchmal eine ²Äußerung des Gartenphilosophen²(3) auffasst, was aber keinesfalls an seiner Treue zum Stoizismus zweifeln lassen darf, denn man muss dabei bedenken, dass er dies wohl Lucilius zuliebe getan hat, der einige Neigungen zu Epikurismus aufweist. Seneca gelang etwas Seltenes: er hatte die Gabe: ²die Macht zum Segen für die Gemeinschaft zu nutzen²(4) , das heißt er lies sich nicht von ihr verführen (zum Beispiel durch  Besitzgier oder Ruhmgier) oder versklaven, er nutze sie lediglich sinnvoll aus, als Mittel der Kommunikation, der  Weiterbildung und als zwischenmenschliche Beziehungskiste. ²Dies mag an seiner stoischen Ruhe gelegen haben, mit der seine Augen klar und distanziert in die Weite schauten.²(5)  Seneca lebte für die Philosophie mit und in ihr. So sagt Marion Giebel mit recht: ²Davon wurde Seneca geprägt: die Philosophie war für ihn kein Lehrgebäude, sondern ein Haus, um darin zu leben und schließlich auch zu sterben. In diesem Haus sollte man nicht allein wohnen, sondern mit gleichgesinnten Freunden, mit denen gemeinsam man sich seine Fortschritte oder auch Rückschritte bewusst machte.²(6) Seneca glaubte immer fest daran, dass Philosophie nicht aus Worten, sondern aus Taten besteht, dass sie die Seele bildet und gestaltet, das Leben ordnet und jedem die Richtung weist. Aber war es nur die Philosophie?
  4. Die Stoa und die Religion in Senecas Leben  

    Wie vorhin schon angedeutet gab ihm wohl nicht nur die stoische Philosophie Halt in seinem Leben. Vorweg sei gesagt, dass man die damalige Religion nicht mit dem Christentum gleichsetzen darf, wenn sie auch wichtige Anschauungen gemein hatten. Die vielen Götter des Volksglaubens wurden als Teile und Erscheinungsformen des unvergänglichen, das All erfüllenden Urgottes, des Weltgeistes, angesehen, die auf sie bezüglichen Legenden allegorisch erklärt. Den Kern der stoischen Theologie bildet der Vorsehungsglaube ( d.h. nichts geschieht zufällig). Die Schönheit und Zweckmäßigkeit der Erde war der Beweis der Stoiker für das Dasein Gottes. Für Seneca offenbarte sich Gott in zwei Weisen: Erstens in der Allratio und zweitens in der Ratio des Menschen (im animus). Es bedurfte seiner Meinung nach nur dem göttlichen Willen, die göttliche Kraft in sich wirken zu lassen. Die Gottheit herrschte für ihn zwar lenkend über allem, war jedoch auch an die Gegebenheiten der Materie gebunden. Gott stellte also die Vollkommenheit  dar, die über uns richtet. Seneca bezeichnete Gott, genauso wenig wie den Weisen, als unerreichbar. Für ihn war Gott wie eine Person, die es gilt zu erreichen, sich zumindest im Laufe des Lebens ihr zu nähern. Der Glaube an etwas (Gott), das alles mit Absicht ordnet und, dass nach dem Tod die Seele von ihrem Gefängnis Fleisch befreit wird, in eine bessere ewige Heimat, in die Freiheit und Seligkeit des himmlischen Lebens, gaben ihm genauso viel Halt, wie die Lehre der Stoa, die ihm Besonnenheit, Selbstzucht und den inneren Frieden lehrte. Seine Ansichten über die Religion waren sowohl von christlichen als auch von platonischen und damit stoischen Grundzügen geprägt, oder  hat er mit seinen Ansichten das Christentum und die Stoa geprägt und vereinigt?
  5. Seneca als Stoiker in Rom  

    Seneca wurde wegen Ehebruch mit Julia Livilla, der Schwester des ihm verhassten Kaisers Caligula, von 41 – 49 n.Chr. nach Korsika verbannt, wo er jedoch von Agrippina, der Mutter Neros, zurückgeholt wurde, um Nero zu erziehen. Damit war er einer der einflussreichsten Menschen des Reiches. Seneca, der wie Attalus immer die Bescheidenheit seinen Zuhörern ans Herz legte, verstand es als Staatsmann den anderen Leuten durch hohe Steuern oder Zinssummen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Er selbst ließ sich von Nero große Reichtümer schenken und ²lebte mehr Brasst und Bombast moralischer Reflexion als wahrhafte Gediegenheit.²(7). Er schwang teils große Reden nach den Mündern der Bürger um ihnen zu gefallen und vielleicht in ihrem Testament erwähnt zu werden. Deshalb stellt sich für keinen anderen Stoiker mehr die Frage, als für Seneca nach der Korrumpierbarkeit in einem diktatorischen Regime. Durch die Reden wurden die Bürger angeregt aber keinesfalls befriedigt. Viele fanden Senecas Haltung oder auch seine Philosophien nicht überzeugend. Seneca ist somit auch ein Opfer derer, denen die Lebensführung der Philosophie, die Lehre der Philosophie zerstörte. Vielleicht merkte er dies und vielleicht war dies auch mit der Grund, warum er sich plötzlich vom politischen Leben fast isolierte und sich als Privatmann seinen philosophischen Studien widmete. Trotzdem verstanden ihn die Leute seiner Zeit nicht recht oder wollten es nicht. Denn erst im Nachhinein stellte man fest wie wertvoll Senecas Anschauungen der Philosophie für die Nachwelt waren. Da er aber 65 in die Pisonische Verschwörung gegen Nero verwickelt war, sollte er sterben. Aber um von anderen umgebracht zu werden war er zu stolz, deshalb wählte er den Freitod und ertrug die Schmerzen, als seine letzte Prüfung, mit stoischer Ruhe.
  6. Seine stoische Philosophie anhand des 89. Briefes

    Alle Werke von Seneca kann man grob seinen drei Lebensabschnitten zuordnen. Der erste Lebensabschnitt war der, in dem er sich bei Attalus, Sotion, Papirius Fabianus und den Sextieren seine stoischen Ansichten aneignete. Er war also geprägt vom Lernen und lehnt sich daher in seinen Schrift noch sehr an seine Lehrer an. Bei den Trostschriften kann man z.B. deutliche Parallelen zu Attalus erkennen. Die zweite Phase seines Lebens ist die als Minister in der er zu Kompromissen und zu Diplomatie gezwungen war. In diese Phase fallen Schriften über die Lehre vom rechten Leben, das aber dennoch ein Leben in Kompromissen bleibt. Gleichzeitig untersucht er die Grundfragestellung des Zusammenlebens unter dem Licht stoischer Gedanken. Er löst sich in diesem Lebensabschnitt schon teilweise von den Ansichten seiner Lehrer. Im dritten Abschnitt seines Lebens lebte er in Zurückgezogenheit, gegen den Willen des Kaisers und geht keinerlei Kompromisse ein. Er stürzt sich auf sämtliche Grunduntersuchungen (Natur, Ontologie, Ursachenlehre) und verlangt, dass seine jetzige Lebensform die einzig wahre sei. Die Untersuchungen verfasste er in Form der epistulae morales (Briefe an seinen Freund Lucilius). Ich habe mich deshalb für ein Spätwerk entschieden, den 89.Brief der epistulae morales, da man anhand dessen wohl am besten Senecas stoische Ansichten und seinen philosophischen Stil erkennen kann. Der ganze Brief heißt: Einteilung der Philosophie. Im ersten Teil des Briefes beschäftigt sich Seneca wirklich ausschließlich mit ihrer Einteilung. Bis zu der Aussage und damit legt er den ersten Teil völlig beiseite: ²Lucilius, mein Bester, ich will dich ja nicht vom Lesen solcher Literatur abschrecken; nur musst du das Gelesene, gleichgültig worum es sich handelt, immer so gleich auf deine eigene Lebensführung beziehen.² (Ep.mor.89) Wenn man das liest, merkt man wie er mit dem Vorsatz, ²....würde eine wissenschaftliche Untersuchung in Buchformat entstehen² (Ep.mor.89),zusammen, Kritik an Leuten übt, die solche wissenschaftlichen Bücher schreiben, die für ihn wohl zu oberflächlich und vor allem lebensfremd sind, und damit wären wir bei der zweiten Hauptaussage dieses Satzes. Man sieht hier genau worum es Seneca immer ging, was sozusagen ein Grundzug seines Philosophierens ist: den Bezug zum eigenen Leben herstellen! Im ganzen, diesem Satz folgenden, zweiten Teil entfaltet Seneca sein rhetorisches Können. Er übt eine ausgewachsene Kritik an der Gesellschaft von damals aus, die von ²Verschwendungssucht, Habsucht und Genusssucht² (Ep.mor.89) geprägt ist. Wenn man diese Passage liest, merkt man so richtig wie Seneca in der Aufzählung dieser negativen Dinge der Gesellschaft aufblüht. Diese pessimistische Grundhaltung, die er hier schreibt, entspricht seinem Zeitstil. Seneca übt die Kritik aber nicht einfach so aus, sondern er hüllt die drei Gegebenheiten ein, in den Mantel der Alttagsgeschehnisse. (Was für uns heute natürlich um so erfreulicher ist, da wir dadurch noch mehr Einblicke in das Leben dieser Zeit gewinnen.) Meiner Meinung nach findet der Brief seinen Höhepunkt in dem Satz: ²Unglückliche, begreift ihr denn gar nicht, dass eure Fresssucht größer ist als euer Magen?²(Ep. mor. 89) Mit diesem Satz bringt er seine ganze Wut, die er langsam aufgebaut hat, auf den Punkt. Aus diesem Satz erklingt seine Verbitterung, vielleicht sogar die Verachtung über die damalige Gesellschaft. Mit einem Zitat, das Seneca als Philosoph würdigt, von Egon Friedel, möchte ich mein Referat beenden: ²Seneca war ein größerer Philosoph als Paulus, und doch stellen wir diesen unvergleichlich höher. Denn Seneca argumentierte und deklamierte zwar sehr profund und packend über Menschenliebe und stoische Bedürfnislosigkeit, aber das war der eine Seneca, der philosophische: der andere Seneca, der Seneca des Lebens, war der skrupellose Geldmacher und Millionär, der liebedienerische Genosse neronischer Verbrecher.²(8)
  7. Anmerkungen

    (1) Zitat aus Marion Giebels Aufsatz Die stoische Philosophie und ihre Lehrer
    (2)  Zitat aus Prof. Dr. G. Maurachs Aufsatz Senecas Lehre
    (3) Zitat aus Pierre Boyancés Aufsatz Die Stoa in Rom
    (4) Zitat aus Prof. Dr. G. Maurachs Aufsatz Senecas Leben
    (5) Zitat aus Prof. Dr. G. Maurachs Aufsatz Senecas Leben
    (6) Zitat aus Marion Giebels Aufsatz Die stoische Philosophie und ihre Lehrer
    (7) Zitat von G.W.F. Hegel aus seinen Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie
    (8) Zitat von Egon Friedel aus seinem Buch Kulturgeschichte der Neuzeit (1927 – 31)
  8. Quellennachweis:

    1. Berthold, Heinz: Seneca von der Seelenruhe; Augsburg (Weltbild – Verlag) 1996 S.328 – 334
    2.  Berthold, Heinz: Seneca von der Seelenruhe; Leipzig (Dieterichsche Verlagsbuchhandlung) 1980    S.376 - 429
    3. Fuhrmann, Manfred: Der inszenierte Tod; Frankfurter Allgemeine Zeitung Nummer 207 im Jahr 1997
    4. Giebel, Marion: Seneca; Hamburg (Rowohlt – Verlag) 1997    S.13 – 19 u. S.63 – 75
    5. Hossenfelder, Manfred; Herausgeben von Wolfgang Röd: Geschichte der Philosophie; München (C.H.Becksche – Verlag) 1985     S. 44 - 94
    6. Maurach, Gregor: Seneca als Philosoph; Darmstadt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) 1975    S.39 – 52 u. S.135 – 148
    7. Maurach, Gregor: Seneca; Vortrag im November 1984 in Waldfischbach
    8. Maurach, Gregor: Seneca, Leben und Werk; Darmstadt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) 1991, S.193 – 208
    9. Panitz, Heinz: Stoische Weisheit; Münster (Aschendorffs -  Verlag) 1974,  S.20 – 25
    10.  Weinkauf, Wolfgang: Die Stoa; Augsburg (Pattloch – Verlag) 1994 S.25 – 29  u. S.89 – 92 
Dieses Referat wurde von Anna – Katharina Theison am 14.04.2001 fertigtgestellt.
Sententiae excerptae:
w37
174 Talis est quaeque res publica, qualis eius aut natura aut voluntas, qui illam regit.
  So ist jeder Staat, wie entweder der Charakter oder der Wille desjenigen, der ihn regiert.
  Cic.rep.1,47
Literatur:

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in: AU 39, 3/1996, 49-68
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M. Tullius Cicero De Re Publica, vollständige Textausgabe und Kommentar.
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