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Publius Ovidius Naso

Fasti - Fasten

LIBER II - lateinisch - deutsch

10. Romulus und Remus (2,381-422)

 
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  10. Lupercalia (2,381-422)    
       
Forsitan et quaeras cur sit locus ille Lupercal,
quaeve diem tali nomine causa notet.
Silvia Vestalis caelestia semina partu
ediderat, patruo regna tenente suo;
anmerk. Das Lupercal war am Palatin an einer noch nicht identifizierten Stelle eine dem Faunus Lupercus oder Pan geweihte Grotte, wo auch die Ficus Ruminalis stand, unter der die Wölfin die Zwillinge Romulus und Remus nach ihrer Rettung aus dem Tiber (alter Name Albula) gesäugt haben soll. Von hier ging der Lauf der Luperken durch die Stadt aus, bei dem sie, nur mit einem Gürtel bekleidet, besonders Frauen, die ihnen begegneten, mit Riemen aus Ziegenfell schlugen.
Fragst du vielleicht, weshalb man den Ort Lupercal benenne
Oder warum man das Fest selbigen Namens benannt?
Ilias Schoß, der Vestalin, entrang sich der Same der Götter;
Über die Lande bereits herrscht' als Gebieter der Ohm.
is iubet auferri parvos et in amne necari:
quid facis? ex istis Romulus alter erit.
iussa recusantes peragunt lacrimosa ministri
(flent tamen) et geminos in loca sola ferunt.
Albula, quem Tiberim mersus Tiberinus in undis




anmerk. Albula ist der alte Name des Tibers. Er wurde umbenannt, als Tiberinus, der König von Latium, beim Übersetzen über den Fluss in ihm ertrank.
Der heißt gleich ihr entzieh'n und ersäufen im Strome die Kleinen.
Weh, was beginnst du? Es ist Romulus einer der zwei.
Murrend vollziehen das Jammergebot die befohlenen Diener;
Fließt auch die Träne, zum Ort tragen die Zwillinge sie.
Albula, die Tiberinus, versenkt in den Wogen, zum Tiber
reddidit, hibernis forte tumebat aquis:
hic, ubi nunc fora sunt, lintres errare videres,
quaque iacent valles, Maxime Circe, tuae.
huc ubi venerunt (neque enim procedere possunt
longius), ex illis unus et alter ait:
 
Umschuf, ging hoch durch Wintergewässer geschwellt.
Da, wo das Forum jetzt und wo du, o gewaltiger Circus,
Dehnst dein Tal, sah man irren den schwankenden Kahn.
Wie sie nun dahin gelangt (denn weiterzugehen verstattet
Keinem die Flut), da entfährt diesem und jenem das Wort:
'at quam sunt similes! at quam formosus uterque!
plus tamen ex illis iste vigoris habet.
si genus arguitur voltu, nisi fallit imago,
nescioquem in vobis suspicor esse deum.
at siquis vestrae deus esset originis auctor,
 
"Wie sie doch ähnlich sich sind! Und wie reizend die beiden zusammen!
Dennoch an Kräften bedünkt der da der stärkere mir.
Spricht aus den Zügen das Blut, fast möcht' ich vermeinen, ihr trüget,
Falls mich das Bild nicht täuscht, göttliche Spuren an euch!
Doch, wenn irgendein Gott euch hätte gerufen ins Dasein,
in tam praecipiti tempore ferret opem:
ferret opem certe, si non ope, mater, egeret,
quae facta est uno mater et orba die.
nata simul, moritura simul, simul ite sub undas
corpora.' desierat, deposuitque sinu.
 
Würd' er wohl hilfreich euch nah'n in so jäher Gefahr
Ja, wohl wär' er euch nah'; nur heischt von ihm Hilfe die Mutter,
Die sich der Kinder beraubt nennet und Mutter zugleich.
Deck' euch die Woge denn zu! Wie das Leben euch einte, so soll euch
Einen der Tod!" Dann stumm legt' er die kleinen zur Erd'!
vagierunt ambo pariter: sensisse putares;
hi redeunt udis in sua tecta genis.
sustinet impositos summa cavus alveus unda:
heu quantum fati parva tabella tulit!
alveus in limo silvis adpulsus opacis
 
Wimmernd, als ahnten sie was, dalagen die beiden zusammen;
Tränenden Auges nach Haus kehreten jene zurück.
Hoch auf der wogenden Flut schwankt weiter die bergende Mulde,
Ach, welch hohes Geschick hegte das ärmliche Holz!
Doch, da sich mählich verlaufen die Flut, blieb endlich die Mulde,
paulatim fluvio deficiente sedet.
arbor erat: remanent vestigia, quaeque vocatur
Rumina nunc ficus Romula ficus erat.
venit ad expositos, mirum, lupa feta gemellos:
quis credat pueris non nocuisse feram?
 
Landend am dunklen Gestrüpp, stehen auf schlammigem Grund.
Da stand ragend ein Baum (noch sieht man die Trümmer), und was uns
Ruminas Feigbaum heißt, nannte nach Romulus sich.
Dort – oh Wunder! – erschien bei den Kleinen die säugende Wölfin.
Wie, und die Knäbchen erschaut', ohne zu schaden, das Tier?
non nocuisse parum est, prodest quoque. quos lupa nutrit,
perdere cognatae sustinuere manus.
constitit et cauda teneris blanditur alumnis,
et fingit lingua corpora bina sua.
Marte satos scires: timor abfuit. ubera ducunt
 
Schaden? Es nützte vielmehr: barmherzig ernährt sie die Wölfin,
Die der Verwandten Gemüt selbst zu vernichten vermocht.
Schau, wie sie steht, mit dem Schwanz anwedelnd die zärtlichen Kleinen!
Ja, mit der Zunge die zwei Wesen beleckt sie sogar!
Wohl sind's Söhne des Mars! Furchtlose! Sie zieh'n an den Eutern
nec sibi promissi lactis aluntur ope.
illa loco nomen fecit, locus ipse Lupercis;
magna dati nutrix praemia lactis habet.
 
Nahrung des Lebens in Milch, wie sie sie nimmer gehofft.
Namen erhielt von der Wölfin der Ort und vom Ort die Luperken.
Herrlich, o Pflegerin, wardst du für die Sorge belohnt!
  Übers. nach E. Klußmann bearbeitet von E. Gottwein
Sententiae excerptae:
w40
1991 'omina principiis' inquit 'inesse solent.
  Janus: "Ein jeder Beginn zeichnet die Spur des Verlaufs." / Der Anfang eröffnet gewöhnlich einen Blick auf das Ende.
  Ov.fast.1,178
1996 aera dabant olim: melius nunc omen in auro est
  Einst gab Erz man. Doch jetzt liegt besseres Zeichen im Golde
  Ov.fast.1,221
78 est deus in nobis, agitante calescimus illo.
  es ist ein Gott in uns; wenn er sich regt, erglühen wir.
  Ov.fast.6,5
1995 In pretio pretium nunc est: dat census honores
  Nichts hat Klang, als die klingende Münz', Ehr' einzig der Beutel
  Ov.fast.1,217
1997 laudamus veteres, sed nostris utimur annis
  Loben die Ahnen wir gleich, wir schmiegen uns dennoch der Zeit an
  Ov.fast.1,225
1998 nos quoque templa iuvant, quamvis antiqua probemus, / aurea: maiestas convenit ipsa deo.
  Mich selbst freuen die Tempel von Gold, wenngleich ich das alte Vorzieh'; die Hoheit ziemt vor allem dem Gott.
  Ov.fast.1,223f.
1993 pluris opes nunc sunt quam prisci temporis annis
  Nicht so fragte dem Haben man nach zu den Zeiten der Ahnen
  Ov.fast.1,197.
189 tempora labuntur tacitisque senescimus annis | et fugiunt freno non remorante dies
  die Zeit entgleitet, wir altern still mit den Jahren | und es entfliehen, ohne dass ein Zügel sie hemmt, die Tage
  Ov.fast.6,771
1992 tempore crevit amor, qui nunc est summus, habendi: / vix ultra quo iam progrediatur habet.
  Habgier wuchs mit der Zeit, und am höchsten ist jetzt sie gewachsen; / Wollte sie weiter hinaus, fehlt' es ihr wahrlich an Raum.
  Ov.fast.1,195f.
Literatur:

7 Funde
1682  Braun, L.
Kompositionskunst in Ovids "Fasti"
in: ANRW II.31.4 (1981) 2344-2383
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1733  Fauth, W.
Römische Religion im Spiegel der "Fasti" des Ovid
in: ANRW II.16.1 (1978) 104-186
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4239  Ovid / Bömer
Die Fasten / P. Ovidius Naso. Hrsg., übers. und komm. von Franz Bömer. (Text. Übers. Komment.)
Heidelberg : Winter, 1957ff
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4235  Ovid / Gerlach
Publius Ovidius Naso. Fasti, Festkalender Roms. Lat.-dtsch. ed. Wolfgang Gerlach
München, Heimeran, 1, 1960
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4237  Ovid / Gerlach / Holzberg
Fasti : lateinisch - deutsch = Festkalender / Publius Ovidius Naso. Auf der Grundlage der Ausg. von Wolfgang Gerlach neu übers. und hrsg. von Niklas Holzberg
Düsseldorf : Artemis & Winkler, 3, 2006
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4238  Ovid / Green
Ovid, Fasti 1 : a commentary Green, Steven J.
Leiden [u.a.] : Brill, 2004
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4205  Ovid / Suchier
Ovids Werke, deutsch im Versmaß der Urschrift v. Suchier, Klußmann, Berg. Ovid II. Festkalender (Fasten) - Klagelieder (Tristien) - Briefe aus Pontus. - Haleutika - Ibis - Verzeichnis der Eigennamen.
Berlin-Schöneberg (Langenscheidt) 6.A.
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