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Publius Vergilius Maro
Aeneis I

Aeneis I 1 - 33

1. Prooemium vel propositio (1- 8)

"Propositione et invocatione praemissis, narratio incipit a septimo Aeneae expeditionis anno..." (Ruaeus)

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   Arma virumque cano, Troiae qui primus ab oris
Italiam, fato profugus, Laviniaque venit
litora, multum ille et terris iactatus et alto
vi superum saevae memorem Iunonis ob iram;
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multa quoque et bello passus, dum conderet urbem,
inferretque deos Latio, genus unde Latinum,
Albanique patres, atque altae moenia Romae. 
arma: die "Ilias"-Hälfte (Buch 7-12)
virum: die "Odyssee"-Hälfte (Buch 1-6)
Aufgabenvorschläge:
  1. Das engere Proömium (1-8) wird von den Ortsangaben "Troiae" (1) und "Romam" (8) eingerahmt. Verfolgt der Dichter damit eine erkennbare Absicht?
  2. Vergleichen Sie nach Möglichkeit das Prooemium der Aeneis mit den Proömien von Homers Ilias und Odyssee und dem Anfang der "Ilias Parva") (Hier finden Sie Interpretationsaspekte dazu). 
    1. Was verbindet die Aeneis mit den anderen Hauptrepräsentanten der Gattung Epos?
    2. Worin setzt sich die Aeneis von ihren epischen Vorbildern ab und erweist somit eine unverwechselbare Eigenständigkeit?
 

Troia-Roma-Bezug

Schematische Darstellung (Tafelbild) zu Aufg.1:

Das Schicksal des Aeneas steht in einem zielgerichteten (teleologischen) vom Fatum bestimmten Zusammenhang. 

Der Bogen des Geschehens spannt sich geographisch von Troia nach Rom (Überwindung im 3. Buch, dem Buch der Irrfahrten), zeitlich von der Zerstörung Troias bis in die durch Kaiser Augustus bestimmte Gegenwart des Dichters.

Das persönliche Schicksal des Aeneas (Lavinium) wird damit weit übertroffen. Es hat im Gesamtzusammenhang nur funktionalen Charakter. 

Das Schicksal des Aeneas läuft zwar zielgerichtet, aber nicht geradlinig. Der Zorn der Iuno ist dem Ziel des Fatum entgegengesetzt. Ihre Zornhandlung steht retardierend unter der Prämisse "si qua fata sinant" (18). [Ähnlich verhält es sich mit dem Zorn des Achilleus in der Ilias (Retardiertes Ende: Zerstörung Troias) und dem Zorn des Poseidon in der Odyssee (Heimkehr des Odysseus)].

Aeneas ist [anders als Odysseus] Träger einer Sendung. Dass er trotz unendlicher Leiden (multum ille et terris iactatus et alto, 3; multa quoque et bello passus, 5; tot adire labores, 10) treu zu ihr steht, zeichnet ihn als "insignem pietate virum" (10) aus. Das Ziel lohnt des Einsatz. 

2. invocatio (8 - 11)

 

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  Musa, mihi causas memora, quo numine laeso
quidve dolens regina deum tot volvere casus
10
11
insignem pietate virum, tot adire labores
impulerit. tantaene animis caelestibus irae?  

Aufgabenvorschläge:

  1. Grenzen Sie ab, welches "Wissen" der Dichter als Eigenleistung in sein Lied einbringt ("cano", 1), welchen Beitrag die Muse leistet ("causas memora!", 8)! 
  2. Bestimmen Sie das gegenseitige Verhältnis der göttlichen und menschlichen Handlungsebenen und vergleichen Sie mit den beiden homerischen Epen!

Iuno-Aeneas

Vom Standpunkt der Theodizee besteht ein Widerspruch zwischen der "saevae memor Iunonis ira" (4) und der "pietas" (10) des Aeneas. 

Der Dichter kann sich eine Lösung dieses Widerspruchs nur mit dem für das Epos konstitutiven Motiv des Götterzorns vorstellen: Das "numen" der "regina deum" muss verletzt worden sein, ihr muss ein "dolor" zugefügt worden sein. So war es ja auch bei Odysseus und Poseidon (wegen Polyphems Blendung), bei den Gefährten des Odysseus und Helios (wegen der Schlachtung der Rinder) und bei Aigisthos und Zeus (Tötung Agamemnons). 

Die Muse weiß es besser: Iunos Zorn hat in der Hauptsache keinen personalen, sondern einen historisch-nationalen Bezug; er begründet sich nicht aus der Vergangenheit, sondern aus der Zukunft. 

Das ist das entscheidend Neue an Vergils Aeneis: zukunftsgerichtete Furcht mit weltpolitischer Dimension. Es legt sich aber nur wie eine neue Schale um das, was epischer Tradition entspricht; denn es fehlt in Iunos "Vita" auch nicht an der in die Vergangenheit zurückgewendeten persönlichen Kränkung (23ff). Doch es wirkt im Vergleich zu dem Entscheidenden geradezu kleinlich und zunehmend peinlich: 

  • das vetus bellum, von dem sie glaubte, es sei endgültig vorbei (23)

  • iudicium Paridis spretaeque iniuria formae (27)

  • et genus invisum (28)

  • et rapti Ganymedis honores.et rapti Ganymedis honores (28).

 

"Das Gedicht setzt nach dem Prooemium als Motiv des Hasses der Juno ihren Gegenplan auseinander, der die Weltherrschaft Karthagos zum Ziele hat. Gleich in den Worten, mit denen die geschichtliche Nebenbuhlerin  Roms eingeführt wird, kündigt sich der Gegensatz zwischen den beiden Weltmächten an: Carthago Italiam contra (I 13). Das "contra" ist nicht nur lokal, sondern vor allem symbolisch gemeint. [...]
Das Ringen zwischen Rom und Karthago um die Herrschaft der Welt erscheint so von Anfang an als ein Hauptthema. Der Kampf der Juno gegen die Fata des Helden ist eine symbolische Vorwegnahme. [...] Juno ist also zunächst die mythische Verkörperung der geschichtlichen Macht Karthagos. Als solche greift sie ein und verursacht den Seesturm und die Landung der Schiffbrüchigen auf karthagischem Boden." (V. Pöschl (1), S. 25-27).

3. narratio (12 - 33)

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  Urbs antiqua fuit, Tyrii tenuere coloni,
Karthago, Italiam contra Tiberinaque longe
ostia, dives opum studiisque asperrima belli;
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quam Iuno fertur terris magis omnibus unam
posthabita coluisse Samo; hic illius arma,
hic currus fuit; hoc regnum dea gentibus esse,
si qua fata sinant, iam tum tenditque fovetque.
Progeniem sed enim Troiano a sanguine duci
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audierat, Tyrias olim quae verteret arces;
hinc populum late regem belloque superbum
venturum excidio Libyae: sic volvere Parcas.
Id metuens, veterisque memor Saturnia belli,
prima quod ad Troiam pro caris gesserat Argis--
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necdum etiam causae irarum saevique dolores
exciderant animo: manet alta mente repostum
iudicium Paridis spretaeque iniuria formae,
et genus invisum, et rapti Ganymedis honores.
   His accensa super, iactatos aequore toto
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Troas, reliquias Danaum atque immitis Achilli,
arcebat longe Latio, multosque per annos
errabant, acti fatis, maria omnia circum.
   Tantae molis erat Romanam condere gentem!

Aufgabenvorschläge:

  1. Stellen Sie alle Gründe zusammen, die Vergil für Iunos Zorn angibt! Liegen sie alle auf einer Ebene oder repräsentieren sie einen verschiedenen Stellenwert?
  2. Vergleichen Sie die Versgruppe 12-18 (Karthago) mit 19-22 (Rom)! Stellen Sie direkte Bezüge zusammen und deuten Sie die Unterschiede!
    Beobachtungen zur 2. Aufgabe:  
    iam tum olim
    Urbs antiqua fuit Progeniem ... duci audierat
    Carthago Troiano a sanguine
    Tyrii tenuere coloni Tyrias quae verteret arces
    studiis asperrima belli belloque superbum
    hoc regnum dea gentibus esse.... hinc populum late regem... venturum
    quam Iuno fertur... unam ... coluisse excidio Libyae
    dea, si qua fata sinant, tenditque fovetque sic volvere Parcas

     

 

Sententiae excerptae:
w35
85 forsan et haec olim meminisse iuvabit.
  vielleicht wird es einst Freude bereiten, sich auch daran zu erinnern.
  Verg.Aen.1,203
168 Quos ego!
  Euch werde ich!
  Verg.Aen.1,135
Literatur:

19 Funde
3543  Albrecht, Michael von
Vergil. Bucolica, Georgica, Aeneis. Eine Einführung.
Heidelberg (Winter, Heidelberger Studienhefte zur Altertumswissenschaft) 2006, 2/2007
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3877  Buchheit, V.
Das weitere Proömium der Aeneis (Aen.1,8-33). Naevius und Vergil
in: Verg.üb.d.Sendung.., Heidelberg 1963
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3649  Büchner, K.
P.Vergilius Maro. Der Dichter der Römer
Stuttgart, 3/1961 (SD aus der RE)
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3653  Conway. R.S.
P.Vergili Maronis Aeneidos Liber Primus
Cambridge 1935
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3773  Duhn, M.v.
Gleichnisse in den ersten sechs Büchern von Vergils Aeneis
Diss.Hamburg 1952
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3790  Halter, T.
Vergils Aeneis-Proömium. Eine Deutung
in: WStd 77/1964 S. -110
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3512  Jens, Walter
Der Eingang des dritten Buches der Aeneis
in: Philol. 97/1948, S.194-197
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3538  Klingner, Friedrich
Virgil. Bucolica, Georgica, Aeneis
Zürich, Stuttgart (Artemis) 1967
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3812  Lausberg, M.
Iliadisches im ersten Buch der Aeneis
in: Gymn 90/1983
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3691  Merguet,H.
Lexicon zu Vergilius
Leipzig 1912; ND: Darmstadt 1961
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3670  Salvatore, A.
Virgilio Marone,Leneide Libro I.
Naples, 1947
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3674  Stahl, H.P.
"Verteidigung" des 1. Buches der Aeneis
in: Herm.97,1969, S.346ff.
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3568  Vergil / Conington, Nettleship
Vergil (Publius Vergilius Maro): The Works of Virgil. With a Commentary by John Conington and Henry Nettleship. I-III.
London 3/1883-5/1898 (Ndr.: Hildesheim, Olms, 1963)
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3569  Vergil / Forbiger
P.Vergili Maronis opera. ad optimorum librorum fidem edidit perpetua et aliorum et sua adnotatione illustravit... Albertus Forbiger. Pars I: Bucolica et Georgica - ParsII: Aeneis I-VI Pars III: Aeneis VII-XII, carmina minora, dissertatio de Vergili vita et.. Indices.
Leipzig (Hinrichs) 4,1872-1875
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3570  Vergil / Heyne
P.Vergilii Maronis Opera, in tironum gratiam perpetua annotatione novis curis illustrata a Chr. Gottl. Heyne. Tomus I: P.Vergilii Maronis vita. Eclogen, Georgica, Aeneis I-IV. - Tomus II. Aeneis V-XII. Indices
Leipzig (Caspar Fritsch) 3,1800
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3537  Vergil / Osiander, Hertzberg
Die Gedichte des Publius Virgilius Maro:
  1. Die Idyllen und das Gedicht vom Landbau, übers. v. C.U.v.Osiander;
  2. Kleinere Gedichte, welche dem Virgil ugeschrieben werden, übers. v. W.Hertzberg;
  3. Die Aeneide, übers. v. W.Hertzberg
Stuttgart, Metzler, 1853
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3676  Weidner, A.
Commentar zu Vergil's AeneisBuch I und II.
Leipzig 1864
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3681  Williams, R.D.
The Pictures on Dido's Temple
in: CQ.N.S.X,1960,145ff.
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3682  Williams, R.D.
The Opening Scenes of the Aeneid
in: Procedings of the Virgil Society V (1965-66) 14ff
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