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Publius Vergilius Maro

bucolica

ecl.10

Gallus

 
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Die 10. Ekloge ist Theokr.eid.1 und Theokr.eid.7 verpflichtet. Sie zeigt Gaius Cornelius Gallus als Ziegenhirt in einer einsamen felsigen Gegend Arkadiens in tiefem Schmerz um seine Geliebte Lycoris, die ihn aus Untreue verlassen hat.
In den Anfangsversen widmet Vergil seinem geliebten Gallus (wohl seinem Wunsche entsprechend) das Gedicht, das kurz und sein letztes werden soll; aber auch Lycoris wird es lesen (1-8). Er wirft den Naiaden vor, dass sie allein Gallus in seinem Liebesleid nicht beigestanden haben (9-12), während ihm im Gegensatz dazu sogar die unbelebte Natur, Bäume und Felsen, die Herden und ihre Hirten (13-15) und schließlich sogar die Götter Apollon, Silvanus und Pan (21-30) ihre Anteilnahme bekundet und ihn zum Maßhalten in seiner unersättlichen Liebe gemahnt hätten.
Dann singt Gallus ein eigenes Lied und beklagt sein Liebesleid: Wäre ihm das Leben und Liebesglück eines arkadischen Hirten vergönnt, so könnte er Trost finden, während die untreue Lycoris ihrem Liebhaber durch Schnee und Eis über die unwirtlichen Alpen folgt. (31-51). Der Wunsch, nach der Art eines Hirten zu leben, die Flöte zu spielen und zu jagen wird zunehmend dringlicher. Doch da wird ihm schlagartig bewusst, dass auch dies keinen Trost und keine Linderung seiner Liebesglut verspricht, ja dass es überhaupt keinen Schutz gegen die Unbilden der Liebe gibt: "Omnia vincit Amor: et nos cedamus Amori." (62-69).
Im Epilog versichert Vergil Gallus seiner liebevollen Wertschätzung (70-77).
     
 
Gallum
Gallus



Extremum hunc, Arethusa, mihi concede laborem:
pauca meo Gallo, sed quae legat ipsa Lycoris,
carmina sunt dicenda: neget quis carmina Gallo?
sic tibi, cum fluctus subterlabere Sicanos,
Lass', Arethusa mir doch, dies Werk, mein letztes, gelingen!
Kurzen Gesang nur heischt mein Gallus, welchen Lycoris
Selbst auch lese: ein Lied - wer mag es versagen dem Gallus?
Möge dir dann, wenn du quillst tief unter Sicaniens Fluten,
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Doris amara suam non intermisceat undam:
incipe; sollicitos Galli dicamus amores,
dum tenera attondent simae virgulta capellae.
non canimus surdis, respondent omnia silvae.
Quae nemora aut qui vos saltus habuere, puellae
Doris', der bitteren, Quell sich nicht mit dem deinigen mischen!
Auf denn! Singen wir jetzt von Gallus' bekümmerter Liebe,
Während das zarte Gesträuch stumpfnasige Ziegen umnaschen.
Nicht tönt Tauben das Lied: denn stets antworten die Wälder.
Sagt, wo wart ihr im Hain, ihr keuschen Naiaden, in welcher
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Naides, indigno cum Gallus amore peribat?
nam neque Parnasi vobis iuga, nam neque Pindi
ulla moram fecere, neque Aonie Aganippe.
illum etiam lauri, etiam flevere myricae,
pinifer illum etiam sola sub rupe iacentem
Schlucht, als Gallus' Gemüt unwürdige Liebe verzehrte?
Denn da brachten ja weder Parnassus' Höhen, noch Pindus'
Irgend Verzögerung euch, noch Aonias Quell Aganippe.
Jenen beweinten sogar Lorbeeren, sogar Tamarisken.
Maenalus auch, mit Pinien bepflanzt, und des kalten Lycaeus
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Maenalus et gelidi fleverunt saxa Lycaei.
stant et oves circum - nostri nec paenitet illas,
nec te paeniteat pecoris, divine poeta,
et formosus ovis ad flumina pavit Adonis -
venit et upilio; tardi venere subulci,
Steine beweineten ihn, der einsam unter dem Fels lag.
Schaf' auch standen umher: nicht unser ja schämt sich die Herde.
Du auch schäme dich nicht, o göttlicher Sänger, der Herde!
Weidete doch auch Schafe der schöne Adonis an Flüssen.
Langsam kamen daher Kuhhirten: der Schäfer, er kam auch;
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uvidus hiberna venit de glande Menalcas.
omnes "unde amor iste" rogant "tibi?". venit Apollo:
"Galle, quid insanis?" inquit; "tua cura Lycoris
perque nives alium perque horrida castra secuta est."
venit et agresti capitis Silvanus honore
Nass kam ferner Menalcas daher, von den Eicheln des Winters.
Alle sie fragen: "Woher solch Lieben?" Apollo erschien selbst:
"Gallus, was rasest du?" spricht er. "Lycoris, die du ersehnest,
Führt' ein anderer weg durch Schnee und schaurige Lager."
Auch Silvanus erschien mit ländlichem Schmucke des Hauptes,
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florentis ferulas et grandia lilia quassans.
Pan deus Arcadiae venit, quem vidimus ipsi
sanguineis ebuli bacis minioque rubentem.
"ecquis erit modus?" inquit "Amor non talia curat.
nec lacrimis crudelis Amor nec gramina rivis
Blühendes Fenchelgewächs und mächtige Lilien schüttelnd.
Pan, Arkadias Gott, kam auch, (wir sahen ihn selber
Rötlich mit Mennig bemalt und blutigen Beeren des Attichs),
Rufend: "Wann endet die Klag'? Nicht kümmert um solches sich Amor.
Amor wird so wenig der Tränen wie Gräser des Bachs satt,
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nec cytiso saturantur apes nec fronde capellae."
Tristis at ille "tamen cantabitis, Arcades" inquit,
"montibus haec vestris, soli cantare periti
Arcades. o mihi tum quam molliter ossa quiescant,
vestra meos olim si fistula dicat amores.
Satt nicht Bienen des Cytisus: satt nicht Ziegen des Laubes."
Jener erwidert betrübt: "Singt immer, Arkadier, singt dies
Euren Gebirgen. Allein seid ihr Arkadische Männer
Kundig des Lieds. Wie sanft, ach, ruheten meine Gebeine
Dann, wenn eure Syringe dereinst mein Lieben besänge!
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atque utinam ex vobis unus vestrique fuissem
aut custos gregis aut maturae vinitor uvae!
certe, sive mihi Phyllis sive esset Amyntas
seu quicumque furor - quid tum, si fuscus Amyntas?
et nigrae violae sunt et vaccinia nigra -
Ach, und wär' ich von euch doch einer gewesen, ein Hirt nur
Euerer Herde, vielleicht auch Pflanzer der zeitigen Trauben!
Sicherlich, möchte nun Phyllis mir wert sein, oder Amyntas,
Oder für wen ich erglüht (was ist's, wenn braun ist Amyntas?
Dunkel ja sind die Violen, und dunkel die Blumen der Iris),
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mecum inter salices lenta sub vite iaceret:
serta mihi Phyllis legeret, cantaret Amyntas.
hic gelidi fontes, hic mollia prata, Lycori,
hic nemus: hic ipso tecum consumerer aevo.
nunc insanus amor duri me Martis in armis
Ruhten sie zwischen den Weiden bei mir, an den Ranken des Weinstocks.
Phyllis pflückte mir Blumen zum Kranz, mir sänge Amyntas.
Hier ist Kühlung des Quells, hier schwellender Rasen, Lycoris.
Hier ist Gehölz, hier möcht' ich mit dir mein Leben beschließen.
Jetzo von Waffen umtobt, in Mavors' Rüstung, des wilden,
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tela inter media atque adversos detinet hostis:
tu procul a patria, nec sit mihi credere tantum,
Alpinas a dura nives et frigora Rheni
me sine sola vides. a, te ne frigora laedant.
a, tibi ne teneras glacies secet aspera plantas.
Stürmenden Feinden ein Ziel, muss rasende Liebe mich fesseln!
Du von der Heimat fern (dürft' ich's nicht glauben!), so fern, ach!
Schaust, fühllose, die Alpen im Schnee, und die Kälte des Rheinstroms,
Ohne mich du so allein! Ach dass nicht Frost dich verletze!
Dass nicht ritze das Eis dir die Sohlen, das rauhe die zarten!
50



ibo et, Chalcidico quae sunt mihi condita versu,
carmina pastoris Siculi modulabor avena.
certum est in silvis, inter spelaea ferarum
malle pati tenerisque meos incidere amores
arboribus: crescent illae, crescetis amores.

Gehn will ich, und das Lied, das in chalkidischem Maß ich
Dichtete, spielen, vom Rohr des sikilischen Hirten begleitet.
Ja, so sei's: in dem Wald, umgeben von Höhlen des Wildes,
Duld' ich lieber, in zartes Gehölz einritzend den Namen
Meiner Geliebten. Es wächst das Gehölz: du wächsest, o Liebe.

55



interea mixtis lustrabo Maenala Nymphis,
aut acris venabor apros. non me ulla vetabunt
frigora Parthenios canibus circumdare saltus.
iam mihi per rupes videor lucosque sonantis
ire; libet Partho torquere Cydonia cornu
Dann von Nymphen umkreist durchschwärm' ich den Mänalus, oder
Jag' ich ein mutiges Schwein. Kein Frost soll je mich verhindern,
Zu umstellen mit Hunden die Schlucht Parthenischer Berge.
Ha, schon wähn' ich durch Felsen zu ziehn und hallende Haine:
Lustig entschnell' ich dem Parthischen Horn kydonische Pfeile: -
60



spicula. tamquam haec sit nostri medicina furoris
aut deus ille malis hominum mitescere discat.
iam neque Hamadryades rursus neque carmina nobis
ipsa placent; ipsae rursus concedite silvae.
non illum nostri possunt mutare labores,
Als ob Heilung vielleicht dies schaffte dem liebenden Wahnsinn,
oder der Gott bei menschlichem Leid je fühlet Erbarmen!
Ja, es gefallen mir jetzt schon nimmer die Hamadryaden,
Noch auch Lieder: so lebt denn wohl jetzt wieder, ihr Wälder!
Jenen vermag doch nicht zu besänftigen unsere Mühsal:
65



nec si frigoribus mediis Hebrumque bibamus
Sithoniasque nives hiemis subeamus aquosae,
nec si, cum moriens alta liber aret in ulmo,
Aethiopum versemus ovis sub sidere Cancri.
omnia vincit Amor: et nos cedamus Amori."
Nicht, ob mitten im Frost wir tränken das Wasser des Hebrus,
Und sithonischen Schnee aushielten im regnigten Winter:
Noch, wenn welket der Bast, absterbend an ragender Ulme,
Unter des Krebses Gestirn wir weideten Schafe der Moren.
Liebe besieget die Welt: auch uns lasst weichen der Liebe!"
70



Haec sat erit, divae, vestrum cecinisse poetam,
dum sedet et gracili fiscellam texit hibisco,
Pierides: vos haec facietis maxima Gallo,
Gallo, cuius amor tantum mihi crescit in horas,
quantum vere novo viridis se subicit alnus.
Musen, genug sei nun des Gesangs von euerem Dichter,
Während er sitzt und ein Körbchen sich flicht von geschmeidigem Eibisch.
Pieriden, nur ihr könnt wert dies machen dem Gallus,
Gallus, der stündlich so viel mir lieber und werter geworden,
Als im verjüngeten Lenz aufwächset die grünende Erle.
75

surgamus. solet esse gravis cantantibus umbra,
iuniperi gravis umbra; nocent et frugibus umbrae.
ite domum saturae, venit Hesperus, ite capellae.
Stehen wir auf: unheilsam ist oft Umschattung den Sängern,
Schlimm Wacholderumschattung: das Korn auch leidet vom Schatten.
Gehet, gesättigte Ziegen, nun heim! Geht, Hesperus nahet!
     
 
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Deutsche Übersetzung von ecl.10: Osiander
1 Funde
3537  Vergil / Osiander, Hertzberg
Die Gedichte des Publius Virgilius Maro:
  1. Die Idyllen und das Gedicht vom Landbau, übers. v. C.U.v.Osiander;
  2. Kleinere Gedichte, welche dem Virgil ugeschrieben werden, übers. v. W.Hertzberg;
  3. Die Aeneide, übers. v. W.Hertzberg
Stuttgart, Metzler, 1853
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Sententiae excerptae:
w42
1055 Canere surdo.
  Einem Tauben vorsingen. (Tauben Ohren predigen.)
  Verg.ecl.10,8
1682 Omnia vincit amor, et nos cedamus amori.
  Alles besiegt ja die Liebe, so lasst uns der Liebe nachgeben!
  Verg.ecl.10,69
Literatur:

13 Funde
3543  Albrecht, Michael von
Vergil. Bucolica, Georgica, Aeneis. Eine Einführung.
Heidelberg (Winter, Heidelberger Studienhefte zur Altertumswissenschaft) 2006, 2/2007
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3567  Chwalek, B.
Elegische Interpretationen zu Vergils 10. Ekloge (Verg.ecl.10)
in: Gymn 97/1990
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3540  Clausen, Wendell
A commentary on Virgil, Eclogues
Oxford : Clarendon Press, 1995
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3538  Klingner, Friedrich
Virgil. Bucolica, Georgica, Aeneis
Zürich, Stuttgart (Artemis) 1967
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3691  Merguet,H.
Lexicon zu Vergilius
Leipzig 1912; ND: Darmstadt 1961
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3576  Perkell, C.D.
The Dying Gallus and the Design of Eclogue 10
in: Class.Philol.91, 1996, S.128-140
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3573  Rumpf, L.
Extremus labor. Vergils 10. Ekloge und die Poesie der Bucolica.
Göttingen 1996
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3568  Vergil / Conington, Nettleship
Vergil (Publius Vergilius Maro): The Works of Virgil. With a Commentary by John Conington and Henry Nettleship. I-III.
London 3/1883-5/1898 (Ndr.: Hildesheim, Olms, 1963)
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3569  Vergil / Forbiger
P.Vergili Maronis opera. ad optimorum librorum fidem edidit perpetua et aliorum et sua adnotatione illustravit... Albertus Forbiger. Pars I: Bucolica et Georgica - ParsII: Aeneis I-VI Pars III: Aeneis VII-XII, carmina minora, dissertatio de Vergili vita et.. Indices.
Leipzig (Hinrichs) 4,1872-1875
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3572  Vergil / Götte
Landleben. Bucolica, Georgica, Catalepton. lateinisch und deutsch hg.v. Johannes Götte
München (Heimeran) 4,1960
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3571  Vergil / Haecker
Hirtengedichte, lateinisch und deutsch, mit Zeichnungen von Richard Seewald. Deutsch v. Theodor Haecker
München (Kösel) 1953
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3570  Vergil / Heyne
P.Vergilii Maronis Opera, in tironum gratiam perpetua annotatione novis curis illustrata a Chr. Gottl. Heyne. Tomus I: P.Vergilii Maronis vita. Eclogen, Georgica, Aeneis I-IV. - Tomus II. Aeneis V-XII. Indices
Leipzig (Caspar Fritsch) 3,1800
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3537  Vergil / Osiander, Hertzberg
Die Gedichte des Publius Virgilius Maro:
  1. Die Idyllen und das Gedicht vom Landbau, übers. v. C.U.v.Osiander;
  2. Kleinere Gedichte, welche dem Virgil ugeschrieben werden, übers. v. W.Hertzberg;
  3. Die Aeneide, übers. v. W.Hertzberg
Stuttgart, Metzler, 1853
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