Lateinische Übungstexte zu Livius mit einer wörtlichen deutschen Übersetzung und Anmerkungen. 

Besonders zur Vorbereitung auf das Latinum 

(Liv.6,28f)

 

Liv.6, 28 und 29 pass.

380 v.Chr. legten die Auseinandersetzungen zwischen der Plebs und den Patres die römische Außenpolitik lahm. Die Feinde Roms, hier die Praenestiner, nutzten diese Handlungsunfähigkeit sofort aus:

Cum esset Praenestinis nuntiatum nullum exercitum conscriptum Romae, nullum ducem certum esse, patres ac plebem in semet ipsos versos, occasionem rati duces eorum raptim agmine facto pervastatis protinus agris ad portam Collinam signa intulere. Ingens in urbe trepidatio fuit. Conclamatum ad arma concursumque in muros adque portas est, tandemque ab seditione ad bellum versi dictatorem T.Quinctium Cincinnatum creavere. Is magistrum equitum A.Sempronium Atratinum dixit. Quod ubi auditum est - tantus eius magistratus terror erat -, simul hostes moenibus recessere et iuniores Romani ad edictum sine retractatione convenere.
Dum conscribitur Romae exercitus, castra interim hostium haud procul Allia flumine posita; inde agrum late populantes fatalem se urbi Romanae locum cepisse inter se iactabant; putabant enim similem pavorem inde ac fugam fore, ac bello Gallico fuerit. Romani contra satis scire locum insignem memoria cladis inritaturum se potius ad delendam memoriam dedecoris, quam ut timorem faciat, ne qua terra sit nefasta victoriae suae. His utrimque animis ad Alliam ventum est. Dictator Romanus, postquam in conspectu hostes erant instructi, "Videsne tu" inquit, "A.Semproni, loci fortuna illos fretos ad Alliam constitisse? Nec illis di immortales certioris quicquam fiduciae dederint. At tu, fretus armis animisque, concitatis equis invade mediam aciem! ego cum legionibus in turbatos trepidantesque inferam signa. Adeste, di testes foederis, et expetite poenas debitas simul vobis violatis nobisque per vestrum numen deceptis." Non equitem, non peditem  sustinuere Praenestini. Primo impetu ac clamore dissipati ordines sunt.
Als den Pränestinern gemeldet worden war, dass in Rom kein Heer ausgehoben worden sei, kein Führer bestimmt sei, die Väter und das Volk sich gegeneinander gekehrt hätten, hielten ihre Führer dies für eine günstige Gelegenheit und griffen, nachdem eilends ein Heer gebildet worden war und sogleich die Felder völlig verwüstet worden waren, an der Porta Collatina an. Ungeheuer groß war in Rom die Panik. Man rief zu den Waffen und lief an den Mauern und Toren zusammen; und endlich wandten sie sich von dem Parteienkampf (weg) dem Kriege zu und wählten T. Quinctius Cincinnatus zum Diktator. Dieser ernannte A. Sempronius Atratinus zum Reiteroberst. Als man dies vernommen hatte - so groß war die Furcht vor diesem Amt - wichen in einem die Feinde von den Mauern, und die römischen jungen Männer stellten sich entsprechend der Verordnung ohne Weigerung. Während in Rom ein Heer ausgehoben wurde, wurde unterdessen das Lager der Feinde nicht weit vom Fluss Allia aufgestellt; von da aus verwüsteten sie weithin das (römische) Gebiet und prahlten untereinander, einen für die Stadt Rom verhängnisvollen Platz eingenommen zu haben; sie glaubten nämlich, dass von da aus eine ähnliche Angst und Flucht ausgingen, wie es im gallischen Krieg war. Die Römer dagegen wussten zur Genüge, dass der durch die Erinnerung an die Niederlage gekennzeichnete Platz sie eher (dazu) antreiben werde, die Erinnerung an die Schande auszulöschen, als dass er Angst verursache, dass irgendein (Stück) Erde ihrem Sieg unheilvoll sei. Mit diesen Gedanken auf beiden Seiten kam man zur Allia. Der römische Diktator sagte, nachdem die Feinde vor seinen Augen aufgestellt waren: "Siehst du, A. Sempronius. dass jene sich im Vertrauen auf das Schicksalhafte des Ortes an der Allia aufgestellt haben? Die unsterblichen Götter dürften jenen kein allzu sicheres Vertrauen gegeben haben. Du aber dringe im Vertrauen auf die Waffen und den Mut im Galopp mitten in die feindliche Schlachtlinie ein. Ich werde mit unseren Legionen die Verwirrten und Schwankenden angreifen. Helft uns, ihr Götter, als Zeugen des Bündnisses, und fordert die geschuldete Strafe, da ihr verletzt worden seid und wir zugleich durch den Eid bei eurer Gottheit getäuscht worden sind!" Die Pränestiner hielten weder den Reitern noch den Fußsoldaten stand. Durch den ersten Angriff und das Kampfgeschrei wurden ihre Reihen zerstreut.
conscribere: "ausheben"; t.t. der Militärsprache. | semet: verstärktes "se"; -met bleibt hier unübersetzt. | occasionem rati: wörtl.: "das für eine günstige Gelegenheit haltend" | Porta Collina: ein Stadttor auf dem Quirinal in Rom | signa infere: "angreifen" | dictator: außerordentliche Magistratur in Rom, um in schweren Zeiten die gesamte Macht in einer Hand zu vereinigen. | dixit: mit doppeltem Akk.; dicere: "ernennen" | ad edictum: "entsprechend der Verordung" | convenire: "sich stellen"; t.t. der Militärsprache. | haud pro cul: mit Abl. "nicht weit von" | Allia flumen: Nebenfluss des Tiber; dort hatten 387 v.Chr. die Gallier den Römern eine verheerende Niederlage beigebracht. | similem ... , ac: ac  be deutet nach "similis" "wie" | Romani satis scire: historischer Infinitiv | inritare: "antreiben" | nefastus,a, um: unheilvoll" | dederint: Konj.Perf. im HS drückt vorsichtige Behauptung aus; hier: "sie dürften gegeben haben" | fretus, a, um: mit Abl. "im Vertrauen auf" | per vestrum numen: "durch den Eid bei eurer Gotheit"  

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